Politik : Beust sagt TV-Duell ab

Hamburgs CDU-Bürgermeister fühlt sich von der SPD beleidigt

Günter Beling

Hamburg . Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat überraschend ein für Mittwoch geplantes TV-Rededuell mit dem SPD-Spitzenkandidaten Thomas Mirow im NDR abgesagt. Der Senatschef habe den Eindruck, dass Mirow „immer weniger Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung hat und sich immer mehr auf Diffamierung beschränkt“, sagte ein Senatssprecher. „Der Bürgermeister hat schlechte Nerven. Er kneift“, betonte SPD-Landeschef Olaf Scholz. Mirow hatte in einem vom Privatsender Hamburg 1 übertragenen Duell Pluspunkte gesammelt. Das NDR-Duell hätte eine ungleich höhere Einschaltquote erreicht.

Laut Schnee habe sich von Beust durch den SPD-Innenexperten Michael Neumann beleidigt gefühlt, der ihm die Inhaltsleere eines Daniel Küblböck bescheinigt hatte. Auch die Äußerung Mirows, es sei kein Zufall, dass sich von Beust nie wirklich für Kinder und Familienprobleme interessiert habe, rügte der Sprecher. Zudem hätten die Jusos von Beust als „faulsten Bürgermeister“ und Champagnerpolitiker diffamiert. Altbürgermeister Henning Voscherau hatte im Januar die Arbeitsauffassung von Beusts kritisiert. GAL-Spitzenkandidatin Christa Goetsch nannte die Absage „feige“. Je öfter von Beust auf Mirow treffe, desto deutlicher werde, dass er fachlich unterlegen sei: „Die Fassade bröckelt. Er redet nur, wenn ihm keiner widersprechen kann.“ FDP-Fraktionschef Burkhardt Müller-Sönksen sagte: „Der Rückzug wirkt unsouverän. Der Bürgermeister hat wohl eingesehen hat, dass er nur verlieren kann.“

„Von Beust hat Mirow mit der Absage eine Chance genommen. Er ist aber zugleich das Risiko eingegangen, dass ihm dies als Drückebergerei und Schwäche ausgelegt wird“, sagte Richard Hilmer vom Meinungsforschungsinstitut infratest/dimap. „Da Mirow in den bisherigen TV-Duellen durchaus Eindruck gemacht hat und zunehmend inhaltliche Fragen in den Vordergrund rücken, hätte die letzte TV-Diskussion bei hoher Einschaltquote für den SPD-Spitzenkandidaten interessant werden können.“ Letzten Umfragen zufolge sei der Abstand zwischen CDU und Rot-Grün weiter knapp.

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