Politik : Bevölkerung in Misrata leidet weiter Neue Angriffe

der Gaddafi-Truppen

Tripolis/Rom/Sanaa - Die Kämpfe um die westlibysche Rebellenhochburg Misrata dauern an. Die Truppen von Machthaber Muammar al Gaddafi, die sich am Osterwochenende aus dem Stadtzentrum zurückgezogen hatten, bombardierten nach Angaben der Aufständischen die zum Hafen führende Straße. Gaddafis Truppen hätten in den westlichen Vororten Stellung bezogen und feuerten von dort in die Stadt. Die Lage der Menschen habe sich rapide verschlechtert, berichtete ein Sprecher der Rebellen. Das kleine Krankenhaus sei voller lebensgefährlich Verletzter. „Es ist unvorstellbar.“

Eine ähnlich kritische Situation wird auch aus der entlegenen Bergregion an der Grenze zu Tunesien berichtet. „Unsere Stadt liegt im Dauerfeuer von Gaddafis Truppen“, berichtete ein Flüchtling aus Kalaa, dem Zentrum des Berbergebiets. Die Besetzung des an Tunesien grenzenden Postens Dehiba-Wasin durch die Rebellen in der vergangenen Woche löste eine Fluchtwelle ins Nachbarland aus. Schätzungsweise 30 000 Menschen flohen nach Tunesien.

Die Nato soll einen Konvoi der Truppen Gaddafis angegriffen haben. Unterstützer der Rebellen meldeten am Dienstag, der Militärkonvoi, zu dem Söldner gehört hätten, sei auf dem Weg in die Stadt Nalut südwestlich von Tripolis gewesen. Gaddafis Truppen hätten nach der Attacke mehrere verkohlte Leichen in den nahe gelegenen Militärstützpunkt Tidschi gebracht.

Künftig will sich auch Italien an den Luftangriffen beteiligen. Wie die italienische Regierung von Silvio Berlusconi am Montagabend mitteilte, wolle Rom Flugzeuge „für gezielte Einsätze gegen Militärobjekte auf libyschem Territorium“ bereitstellen, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Berlusconi habe dies nach einem Telefongespräch mit US-Präsident Barack Obama beschlossen, hieß es. Italien hatte bisher von Bombardierungen in seiner früheren Kolonie Libyen Abstand genommen und lediglich Militärbasen sowie Flugzeuge zu militärischen Erkundungsflügen zur Verfügung gestellt.

Im Jemen zeichnet sich dagegen ein Ende des Konflikts ab. Die Opposition will nun doch an einer Übergangsregierung nach dem geplanten Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Saleh teilnehmen. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit dem Golf-Kooperationsrat (GCC) gefallen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag aus Oppositionskreisen. Die Unterzeichnung eines Abkommens, das den Rücktritt des langjährigen Staatschefs besiegeln soll, ist nach den Worten eines führenden Oppositionspolitikers nur noch eine Frage von Tagen. Von anderen Quellen hieß es, der US-Botschafter in dem Land habe seinen Einfluss auf die Opposition geltend gemacht.

Der Plan des Rates sieht einen Rücktritt Salehs innerhalb von einem Monat vor. Allerdings blieb unklar, ob sich der Präsident an eine entsprechende Zusage vom Wochenende halten wird, nachdem er erneut Bedingungen für einen solchen Schritt gestellt hatte. Am Montag waren bei neuen Massenprotesten wieder zwei Menschen getötet worden. Die Demonstranten wollen erst aufgeben, wenn Saleh zurückgetreten ist und vor Gericht gestellt wird. dpa/rtr

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