Politik : Bevölkerungsentwicklung: Betagt, aber fit

Claudia von Salzen

Die Struktur der deutschen Bevölkerung wandelt sich rapide - die Gesellschaft wird immer älter. In 50 Jahren wird jeder dritte Bundesbürger älter als 60 Jahre sein. Waren 1950 in Deutschland noch doppelt so viele Menschen unter 20 als über 59 Jahre alt, wird es 2050 mehr als doppelt so viele ältere als jüngere Menschen geben. Zudem steigt die Zahl der über 80-Jährigen rasant an: Gehören heute noch vier Prozent der Bevölkerung zu den Hochbetagten, werden es in 50 Jahren schon bis zu zwölf Prozent sein.

Diese Zahlen präsentierte Bundesfamilienministerin Christine Bergmann bei der Vorstellung des Dritten Altenberichts - verbunden mit dem Hinweis, dass die demographische Entwicklung die wachsende Bedeutung der Altenpolitik zeigt. Doch gleichzeitig gaben die Sachverständigen, die den "Bericht zur Lage der älteren Generation" erstellt haben, Entwarnung: "Aus der Zunahme hochbetagter Menschen sollte nicht auf eine gleich starke Zunahme der Pflegebedürftigkeit geschlossen werden", sagte der Vorsitzende der Sachverständigenkommission, Andreas Kruse.

Die Experten zeichnen ein vorsichtig optimistisches Bild von der Situation der älteren Menschen in Deutschland: Die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich seit 1970 um etwa sieben Jahre erhöht. Außerdem sind 70-Jährige heute so gesund und so leistungsfähig, wie es vor 30 Jahren die die 65-Jährigen waren. Im so genannten "dritten Lebensalter", der Zeit zwischen 60 und 75 Jahren, sind die meisten Menschen noch in überwiegend guter körperlicher und geistiger Verfassung. Nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben kann ein Großteil der älteren Menschen noch 15 bis 20 Jahre lang ohne Hilfe und Pflege leben. Daher forderte Bergmann eine differenziertere Betrachtung des Alters: "Altern heißt nicht zwangsläufig gebrechlich und hilfsbedürftig zu sein." 80 Prozent der über 70-Jährigen seien in der Lage, ein selbstständiges Leben zu führen.

Vom Erfahrungswissen der Senioren, die sich in Familie, Vereinen und Kommunen engagieren, könne die Gesellschaft profitieren, sagte Bergmann. Auch die materielle Lage der deutschen Senioren ist nach Auffassung der Expertenkommission im Durchschnitt gut. Die Einkommen älterer Menschen im Osten sind in den letzten Jahren zwar erheblich angestiegen, aber immer noch niedriger als in den alten Bundesländern. Von Armut bedroht oder betroffen sei insgesamt nur eine kleine Gruppe, sagte Kruse. Gleichzeitig warnten die Experten jedoch vor einer zunehmenden Altersarmut.

Um ein unabhängiges, aktives Leben im Alter aufrechtzuerhalten, ist es nach Einschätzung der Sachverständigen allerdings dringend erforderlich, die Prävention und Gesundheitsförderung für ältere Menschen zu verstärken. So könnten viele der im Alter häufig vorkommenden Erkrankungen vermieden oder zumindest deutlich hinausgeschoben werden. Auch bei den Angeboten zur Rehabilitation sehen die Experten noch deutlichen Nachholbedarf.

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