Politik : Bevölkerungspolitik: Was Stoiber nicht ahnt (Glosse)

Aus der Reihe "matthies meint"

Ein Satz, wie gemeißelt aus Chrom-Nickel-Stahl: "Ja, wir haben zu wenig Kinder." Edmund Stoiber, der einem ordentlichen Urlaub allemal die Politik vorzieht, hat ihn jetzt geäußert: "ein Megathema". Doch im großen Interview der "Welt" geht dann irgendwo verloren, was konkret daraus folgen könnte. Wo der Leser noch eine Antwort erhofft, drischt der Ministerpräsident bereits flink auf allerhand Extremisten ein - mit gutem Recht, aber die Lösung des Familienproblems kann darin ja kaum zu suchen sein. Woran mag es wirklich liegen? Am Geld? Oder daran, dass die kleinen, ewig mit Computerspielen hantierenden Ungeheuer generell ihren Rückhalt in der Bevölkerung verloren haben? Wir werden den Eindruck nicht los, dass Stoiber immer noch streng im Fiskalischen verharrt, wo doch die Wurzeln des Kindermangels ... "Sex ist überhaupt nicht wichtig", sagt beispielsweise Marie-Luise Marjan, von deren Einfluss auf die Bevölkerung Politiker nur träumen können, und die sich angeblich jeder dritte deutsche Mann unter die Bettdecke wünscht. Ist er doch! wollen wir ihr zurufen, weil ohne Sex auch der Staat zeugungsunfähig bliebe - da kommt schon diese Umfrage, die alles noch schlimmer macht. 72 Prozent von uns glauben nämlich an die große Liebe, aber nur 31 Prozent an die Bedeutung sexueller Befriedigung, und ebenfalls 31 Prozent daran, dass Kinder in einer Beziehung wichtig sind. Ja, Herr Stoiber: Der Deutsche kuschelt die Rentenkassen kaputt. Vielleicht setzen Sie mal den Verfassungsschutz auf dieses Problem an.

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