• Bewaffnete Nationalisten stürmen das Parlament, nehmen 200 Geiseln und erklären die Machtübernahme

Politik : Bewaffnete Nationalisten stürmen das Parlament, nehmen 200 Geiseln und erklären die Machtübernahme

Bewaffnete Ultranationalisten stürmten am Mittwoch in Eriwan während einer Fragestunde das armenische Parlament. Sie eröffneten mit automatischen Gewehren das Feuer auf Abgeordnete und Minister. Regierungschef Sarkisjan starb später im Krankenhaus. Es war zunächst nicht klar, ob es sich um einen Anschlag oder einen Putschversuch handelte.

Die Täter verschanzten sich im Parlamentsgebäude und nahmen an die 200 Anwesende als Geiseln. Sie verlangten eine Live-Schaltung des Fernsehens und einen Hubschrauber. Hunderte Polizisten und Soldaten umstellten das Parlament im Zentrum der Hauptstadt. Präsident Kotscharjan eilte an den Ort des Geschehens und koordinierte den Einsatz. Am Abend wurde ein Übertragungswagen des Fernsehens zum Parlament gefahren. Augenzeugen zufolge riefen die Bewaffneten, sie hätten die Macht in der Kaukasusrepublik übernommen. "Sie sagten, es sei ein Putsch und riefen Journalisten auf, die Bevölkerung zu informieren", berichtete ein Reporter.

Anführer der Gruppe ist nach Berichten von Journalisten der Ultranationalist Unanjan. Er habe sich vor Sarkisjan aufgebaut und gesagt: "Ihr habt genug von unserem Blut getrunken." Der Regierungschef habe erwidert: "Es wird alles für Sie und die Zukunft Ihrer Kinder getan." Dann habe Unanjan geschossen, berichteten Reporter. Bei der Fragestunde war die gesamte Regierung im Parlament versammelt.

Der 40-jährige Sarkisjan war im Juni zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Er führte zusammen mit Demirtschjan, dem Chef der Kommunisten zu Sowjetzeiten, den nationalistischen Einheitsblock, der bei der Wahl im Mai einen überwältigenden Sieg errungen hatte. Die Partei hatte im Februar 1998 Präsident Ter-Petrosjans zum Rücktritt gezwungen. Er wurde beschuldigt, gegenüber Aserbaidschan eine zu weiche Linie vertreten zu haben. Der Einheitsblock hat offenbar enge Verbindungen zu einer Miliz, der Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Armenien kam seit seiner Unabhängigkeit 1991 politisch nie zur Ruhe.

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