Politik : Bewerbung für den Papierkorb

Gersters Bundesanstalt für Arbeit startet eine neue Jobbörse im Internet – leider sind dabei 70000 Eintragungen verloren gegangen

Antje Sirleschtov

600000 neue Chancen auf einen Job. So hatte Behördenleiter Florian Gerster die neue Internet-Suchmaschine der Bundesanstalt für Arbeit angepriesen. Am Montag ist das Portal ans Netz gegangen. Doch damit werden erst einmal rund 70 000 Eintragungen von Arbeitssuchenden und Unternehmen, die zur Zeit Jobs anbieten, verloren gehen. Und zwar planmäßig. Weil die Übertragung der Daten von der alten Suchmaschine www.arbeitsamt.de auf den „Virtuellen Arbeitsmarkt“ www.arbeitsagentur.de zu viel Geld gekostet hätte.

Wie der Leiter des Projekts, Jürgen Koch, dem Tagesspiegel bestätigte, sind nur die Datensätze, die die Arbeitsämter bisher selbst in das System eingespeist haben, auch im neuen Job-Portal zu finden. Das seien zwar immer noch 2,8 Millionen aus den Systemen SIS und AIS. „Aber die anderen müssen jetzt ihre Angebote neu eintragen.“ Koch rechtfertigte die massenhafte Vernichtung von Jobangeboten mit Zusatzkosten von fünf Millionen Euro. Bei Gesamtkosten von 57 Millionen Euro „konnten wir den Beitragszahlern das nicht zumuten“.

Betroffen vom Daten-Gau sind alle Anfragen besonders qualifizierter Arbeitssuchender, etwa Ingenieure, IT-Mitarbeiter oder Manager. Auch entsprechende Angebote werden verloren gehen. Noch ein weiteres Problem ist bei dem neuen Portal – in das auch Daten privater Jobbörsen einfließen sollen – aufgetreten. Nachdem am Montag rund eine Million Nutzer beinahe gleichzeitig versucht hatten, sich anzumelden, brach das System für Stunden zusammen – weil es nur für eine Belastung von 500000 Zugriffen ausgelegt ist. Doch Koch verspricht: „Alles in ein, zwei Tagen behoben.“

Und von da an soll der Eintrag auf der Homepage des Arbeitsamtes, „kein Angebot vorhanden“, nie mehr zu lesen sein.

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