Bhutto-Attentat : Paramilitärs in Karachi erhalten Schießbefehl gegen Demonstranten

Die Lage in Pakistan spitzt sich zu: Nach dem Mord an der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto soll notfalls mit Waffengewalt auf Ausschreitungen reagiert werden. Unterdessen machen sich zehntausende Bhutto-Anhänger auf den Weg zur Trauerfeier.

Pakistan
Unruhen nach Bhutto-Mord: Paramilitärs patrouillieren durch die Straßen der pakistanischen Stadt Karachi. -Foto: AFP

Karachi/IslamabadParamilitärische Einheiten in der Stadt Karachi erhielten heute einen Schießbefehl gegen Demonstranten. Wenn Demonstranten Regierungsgebäude angreifen oder Privateigentum in Brand setzen, sollen die Anhörigen der Einheit das Feuer eröffnen, sagte ein Offizier. 16.000 Mann seien in der südlichen Provinz Sindh stationiert, 10.000 von ihnen in Karachi. Die Millionenstadt im Süden Pakistans ist eine der Hochburgen von Bhuttos Anhängern.

Die pakistanische Regierung stellte unterdessen eine Verschiebung der für den 8. Januar geplanten Parlamentswahlen in Aussicht. Übergangs- Premierminister Mohammadmian Soomro sagte , die Regierung werde darüber mit den politischen Parteien des Landes beraten.

Zehntausende zur Trauerfeier für Bhutto

Einen Tag nach dem tödlichen Attentat auf Bhutto machten sich Zehntausende ihrer Anhänger auf den Weg zu ihrer Beisetzung. Bhutto soll in ihrem Heimatort Garhi Khuda Bakhsh im Süden des Landes am Nachmittag im Familiengrab bestattet werden.

Der in der Provinz Sindh gelegene Ort wurde von einen Großaufgebot von Sicherheitskräften weiträumig abgesperrt. Dennoch versuchten Zehntausende zu Fuß den Ort zu erreichen. An mehreren Straßensperren habe es Zusammenstöße zwischen Polizisten und aufgebrachten Bhutto-Anhängern gegeben, berichteten Augenzeugen. Bereits in der Nacht war es landesweit zu Ausschreitungen gekommen. Allein in der südpakistanischen Provinz Sindh starben nach Medienberichten mindestens 20 Menschen.

Al Qaida bekennt sich

Zum Attentat auf die populäre 54-jährige Politikerin hat sich nach Medienberichten das Terrornetzwerk Al Qaida bekannt. Die Zeitung "Asia Times" berichtete, der Chef des Terrornetzes in Afghanistan, Mustafa Abu al-Yazid, habe den Mord in einem Telefonat als "ersten großen Sieg" gegen die Verbündeten des Westens in Pakistan bezeichnet. Die pakistanische Regierung wollte dies zunächst nicht bestätigen. Derzeit sei noch unklar, wer für das Attentat verantwortlich sei, sagte Übergangs- Premierminister Mohammedmian Soomro und kündigte eine offizielle Untersuchung des Mordes an. Die Regierung werde eine Untersuchungskommission einsetzen und in Abstimmung mit der Führung von Bhuttos Pakistanischer Volkspartei einen Richter als deren Vorsitzenden bestimmen, teilte Soomro weiter mit.

Bhutto war bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi von einem Attentäter durch Schüsse tödlich verletzt worden. Anschließend sprengte sich der Täter in die Luft und riss mindestens 20 weitere Menschen mit in den Tod. (hx/dpa/AFP)

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