Politik : „Biblis A sofort stilllegen“

Umweltschützer werfen Betreiber und Behörden Versagen vor

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Biblis/Frankfurt (dpa). Nach Bekanntwerden von schwerwiegenden Sicherheitsbedenken im hessischen Atomreaktor Biblis A haben Umweltschützer am Samstag die endgültige Stilllegung des Reaktors gefordert. Biblis A darf auf unbestimmte Zeit nicht wieder angefahren werden, weil möglicherweise das Notkühlsystem nicht den Vorschriften entspricht.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kritisierten ein „erneutes Versagen“ des Betreibers RWE und der Prüfinstanzen. „Was bringen eigentlich die von Umweltminister Wilhelm Dietzel so hoch gelobten Nachrüstungen im Akw Biblis für ein Mehr an Sicherheit, wenn möglicherweise noch nicht einmal die Errichtungsvorschriften eingehalten oder in den Sicherheitsnachweisen falsche Zahlen zu Grunde gelegt worden sind?“, fragte Bund- Landesgeschäftsführer Michael Rothkegel. BBU-Vorstand Eduard Behrend mahnte, die Wiederinbetriebnahme von Biblis A sei nach diesem erneuten Skandalfall nicht mehr verantwortbar.

Bereits 1992 war bei einem Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Barsebäck das Phänomen einer Querschnittsverengung in den Ansaugöffnungen der Notkühlpumpen durch losgerissenes Isoliermaterial entdeckt worden. Daraufhin wurden alle deutschen Atomkraftwerke untersucht. Damals sei eine falsche Berechnungsgrundlage der RWE bei den Stichproben der Atomaufsicht niemandem aufgefallen, hatte die Sprecherin des hessischen Umweltministeriums am Freitag erläutert. Die RWE habe bei der Berechnung des Öffnungsquerschnitts offenbar quer laufende Rohre nicht berücksichtigt. Die hessische Atomaufsicht hatte am Freitag bestätigt, dass der Querschnitt der Ansaugöffnungen der Notkühlpumpen nur gut halb so groß ist wie vorgeschrieben.

Das Bundesumweltministerium will die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und die Reaktor-Sicherheitskommission mit der Untersuchung von Ursachen und Verantwortlichkeiten beauftragen. Das Ministerium will dem Wiederanfahren erst zustimmen, wenn diese geklärt und die Sicherheit des Betriebs gewährleistet sei.

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