Politik : Biedermänner und Neonazis

Die sechs NPD-Abgeordneten in Schwerin – einige von ihnen haben lokalpolitische Erfahrungen

Frank Jansen[Schwerin]

Die sechs Abgeordneten der NPD, die im neuen Landtag von Mecklenburg-Vorpommern eine Fraktion bilden werden, verkörpern alle die erste Hälfte des Begriffes „nationaldemokratisch“. Auch wenn es nicht immer auf Anhieb zu erkennen ist, wie bei dem Spitzenkandidaten und vermutlich künftigen Fraktionschef Udo Pastörs. Der 54-jährige aus dem Rheinland stammende Juwelier, der in Lübtheen (Kreis Ludwigslust) ein Uhren- und Schmuckgeschäft betreibt, tritt freundlich auf und hebt sich mit seinem Mittelständler-Outfit von der Neonazi- Szene ab. Doch Pastörs vertritt nahezu identische Inhalte – und träumt wie viele jüngere Kameraden von einer „revolutionären Umwälzung des Systems“.

Der zweite Mann, Tino Müller aus Ueckermünde, ist einer der Strategen des Neonazi-Spektrums in Vorpommern. Müller, 28 Jahre alt, Familienvater und arbeitsloser Maurer, hat bereits auf seine Art in der Kommunalpolitik mitgemischt. Ende 2002 rief er mit anderen Neonazis eine Bürgerinitiative „Schöner und sicherer Wohnen in Ueckermünde“ ins Leben. Es gelang in der knapp 11 000 Einwohner zählenden Kommune, etwa 2000 Unterschriften gegen den Umzug eines Asylbewerberheims ins Stadtzentrum zu sammeln. Die Demokraten schreckten vor einem Konflikt zurück, der Umzug fiel aus.

Sicherheitsexperten zählen Müller zu den Führungsfiguren der örtlichen Neonazi-Clique „National-Germanische Bruderschaft“. Müller selbst spricht jedoch nur von guten Kontakten zu Mitgliedern der Kameradschaft. Erst Ende 2005 trat Müller der NPD bei. Im Landtag will er sich vor allem mit „Jugend und Kultur“ befassen. Präzise Angaben fehlen noch.

Auf Platz 3 der Wahlliste der NPD stand Michael Andrejewski. Der 1959 in Baden-Baden geborene Jurist sitzt bereits im Kreistag von Ostvorpommern und im Stadtparlament von Anklam. Selbst politische Gegner bescheinigen dem eher bieder wirkenden Andrejewski ein kontinuierliches Engagement. Im Mai 2005 gelang es dem NPD-Mann sogar, die Stadtvertretung komplett auf seine Seite zu ziehen – mit dem lokalpatriotischen Antrag, in dem Anklam als Kreisstadt eines möglichen künftigen Großkreises Vorpommern gefordert wird.

Stefan Köster ist der vierte Mann und steht in der NPD-Hierarchie als Bundesgeschäftsführer und Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern weit oben. Der gebürtige Dortmunder, 32 Jahre alt und Versicherungskaufmann, ist auch Abgeordneter im Kreistag von Ludwigslust. Im Mai verurteilte das Amtsgericht Itzehoe den NPD-Mann zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Köster soll in Schleswig-Holstein eine linke Demonstrantin attackiert haben. Köster hat Berufung eingelegt.

Den Mann auf Platz 5, Birger Lüssow, zählen Sicherheitsexperten auch zur Neonazi-Szene. Lüssow, 1975 in Rostock geboren, ist laut NPD Energieelektroniker. In einer Studie der Universität Greifswald wird Lüssow der Kameradschaft „Aktionsgruppe Festungsstadt Rostock“ zugeordnet. Der sechste NPD-Abgeordnete im Landtag wird Raimund Borrmann (Jahrgang 1960) sein. Auch er kommt aus Rostock. Die NPD präsentierte ihn als „Philosoph, Koch, Unternehmer“. Angeblich wurde Borrmann bei einem Studienaufenthalt in Lyon klar, dass eine multikulturelle Gesellschaft zum Scheitern verurteilt sei. Prompt trat er in die Partei ein.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben