Politik : Biene in der Bannmeile

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Weiß zufällig jemand, warum sich die Imker bei der Arbeit immer mit diesem großen weißen Schleierhüten verkleiden, die aussehen, wie falsch proportionierte Kopfbedeckungen für Bräute? Vielleicht stimmt es ja gar nicht, was man seinen Kindern so erzählt, dass sie den Bienenwächtern und Honigzüchtern als Schutz vor schmerzhaften Stichen ihrer Schutzbefohlenen dienen. Möglicherweise sind die Imker manchmal ganz froh, gar nicht so genau erkennen zu müssen, was um sie herum vorgeht, und bedecken aus diesem Grund ihr Haupt. Belege gibt es für diese Theorie natürlich nicht. Aber Indizien. Die lieferten dieser Tage eine Hand voll Honigproduzenten vor dem Stuttgarter Landtag. Nicht mit ansehen könnten sie, mit welchen Scheuklappen vor der Praxis in der Berliner Politik Gesetze gemacht werden, riefen sie. Und bezogen sich dabei auf ein umfangreiches Gesetzeswerk zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Geregelt ist darin unter anderem, dass Bauern mit Spaß am Genfood ihre Felder mit „geeigneten Maßnahmen“ davor zu schützen haben, dass Pollen die genfreien Lebensmittel in der Nachbarschaft verunreinigen. Um zu zeigen, wie sich Mutter Natur um solche Anordnungen der Politik schert, ließen die Imker vor dem Stuttgarter Landtag ihre Bienen fliegen. Das an sich störte die herbeigeeilten Ordnungskräfte zwar noch nicht. Ärger gab’s erst, als den Polizisten auffiel, dass der Bienen-Startplatz nicht außerhalb, sondern innerhalb der Bannmeile lag – ein glatter Verstoß also gegen geltendes Demonstrationsverbot. Die Imker wurden zur sofortigen Abkehr von ihrem Tun aufgefordert. Nur die Bienen, die konnten die Polizisten nicht mehr einsammeln.

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