Bieterwettbewerb : Bundesregierung traut Magna Opel-Rettung zu

Im Wettbewerb um die Übernahme von Opel geht der Autozulieferer Magna als Favorit an den Start. In Kreisen der Bundesregierung wurde das Rettungskonzept des österreichisch-kanadischen Unternehmens als der derzeit vielversprechendste Ansatz bewertet.

Robert Birnbaum,Antje Sirleschtov

Berlin - Im Bieterwettbewerb um die Übernahme von Opel geht der Autozulieferer Magna als Favorit an den Start. In Kreisen der Bundesregierung wurde das Rettungskonzept des österreichisch-kanadischen Unternehmens am Freitag als derzeit vielversprechendster Ansatz bewertet. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) setzten sich offen für Magna ein. Das Unternehmen kalkuliert zwar den Abbau auch von deutschen Arbeitsplätzen ein, sagte aber den Erhalt aller Opel-Standorte in Deutschland zu.

Allerdings kündigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) Widerstand gegen das Konzept an. Er verwies auf die offenbar von Magna geplanten Stellenstreichungen im Werk in Bochum. Medienberichten zufolge will der Zulieferer dort 2200 Jobs abbauen – von 25 000 in ganz Deutschland. In Bochum arbeiten 5300 Menschen. Dies sei „nicht akzeptabel“, sagte Rüttgers und nannte das Konzept von Magna „unfair“. Nordrhein-Westfalen könne dem Angebot nicht zustimmen.

Dennoch wurde im Kreis der Verhandlungsführer von Bund und Ländern erwartet, dass das offenbar auch von der Opel-Mutter GM unterstützte Magna- Konzept in den politischen Gesprächen die Priorität vor dem Angebot des Finanzinvestors Ripplewood und des italienischen Autokonzerns Fiat erhält.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitagnachmittag im Kanzleramt mit den zuständigen Fachministern und den Ministerpräsidenten der vier Opel-Standortländer über das weitere Vorgehen beraten. Koch hatte schon vorher im Deutschlandfunk erklärt, das Magna- Konzept sei „sicherlich am nächsten an den Hoffnungen und Wünschen vieler in der deutschen Politik, aber auch bei den Arbeitnehmern“. „Interessant“ sei auch der Vorschlag des Finanzinvestors Ripplewood. Das Angebot von Fiat sei hingegen „sehr weit entfernt“ von dem, was sich manche davon erhofft hätten, sagte Koch.

Das Konzept von Magna sieht vor, dass die Opel-Mutter GM und die russischen Magna-Partner – der Autobauer Gaz und die Sberbank – jeweils 35 Prozent an Opel Europa übernehmen, Magna selbst 20 Prozent und Opel-Mitarbeiter sowie die Händler die restlichen zehn Prozent. „Deutlich weniger“ als 18 000 Arbeitsplätze müssten europaweit abgebaut werden.

Für die deutschen Standorte gebe das Konsortium eine Bestandsgarantie, sagte Magna-Geschäftsführer Siegfried Wolf, nicht aber für die britischen Vauxhall-Werke und die Fertigung im belgischen Antwerpen. Den Bedarf an deutschen Staatsbürgschaften bezifferte der Manager mit vier bis fünf Milliarden Euro. Als Eigenkapital seien 500 bis 700 Millionen Euro vorgesehen. Wolf schloss nicht aus, dass Magna mit Ripplewood kooperiert, wenn keiner von beiden alleine zum Zug kommen sollte. Neue Absatzchancen für Opel sieht Magna vor allem auf dem russischen Markt, für den der einheimische Hersteller Gaz als Türöffner fungieren soll.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg erinnerte daran, nach welchen Kriterien die Bundesregierung die vorgelegten Rettungspläne für Opel bewertet: Das Konzept müsse tragfähig sein, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten. Es müsse möglichst viele Arbeitsplätze und möglichst alle vier deutschen Standorte sichern. Zudem müsse auch ein „sorgsamer Umgang mit Steuermitteln“ gewährleistet sein. Die Bundesregierung stellt einem Opel-Investor Staatshilfen in Aussicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben