Politik : Bilanz des Scheiterns (Kommentar)

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Auch acht Monate nach dem Einmarsch der Nato-Truppen kommt das Kosovo nicht zur Ruhe. Die Gewaltkurve zeige steil nach unten, hatte der deutsche General Klaus Reinhardt 1999 bei Amtsantritt noch behauptet. Doch seither muss auch er täglich die Bilanz des Scheiterns zur Kenntnis nehmen. Wer serbisch spricht, bleibt Freiwild im Protektorat von UNO und Nato. Die Angehörigen der Minderheiten leben zusammengepfercht in gettoähnlichen Inseln im mehrheitlich albanischen Kosovo. Selbst die Fahrt im Bus der UNO von einer Insel zur anderen bleibt lebensgefährlich, wie die jüngsten Angriffe mit schwerem Geschütz zeigen. Besonders akut ist die Lage in der geteilten Stadt Mitrovica. Hardliner auf beiden Seiten des Flusses Iber haben kein Interesse an einer Entspannung, denn der Krieg um die wirtschaftlich interessanten Ressourcen in der Bergarbeiterstadt ist noch nicht entschieden. Mitglieder der früheren UCK scheinen zudem den Kampf über die Provinz hinaus bis nach Südserbien tragen zu wollen. Auch rund um das Kosovo kriselt es. In Montenegro ohnehin, in Serbien selbst stehen die Zeichen auf Bürgerkrieg. Doch die internationale Gemeinschaft ist schon mit dem Kosovo überfordert. Der französische UN-Verwalter Kouchner muss betteln, um die Mittel für den Aufbau der Zivilgesellschaft zusammenzukriegen. Die Staaten der internationalen Gemeinschaft scheinen selbst nicht an einen Erfolg in Kosovo zu glauben. Das ist fatal.

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