Politik : Bild Dir unsere Meinung

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Von Robert von Rimscha

Im Verhältnis zwischen Rot-Grün und den Medien knistert es. „Die wollen uns weg haben“, hat Gerhard Schröder am 13. Mai vor den Bundestagskandidaten seiner Partei über die deutschen Berichterstatter geschimpft. Nun gilt schon länger die Kanzler-Devise, wonach „Bild, BamS, Glotze“ wesentlich seien für den Erfolg einer Regierung. Eben hier setzt nun offenbar der Hebel an.

Beim Gipfel gegen den Teuro, zu dem Verbraucherschutzministerin Renate Künast am Freitag geladen hatte, durfte neben den Verbandsvertretern ein Mensch Platz nehmen, dessen Berufsstand bisher von derlei Runden Tischen stets ausgeschlossen war: ein Journalist. Jörg Quoos, Mitglied der Chefredaktion von „Bild“, sollte möglichst unauffällig teilnehmen, beraten, mit diskutieren.

Künast hatte vorgefühlt, ob die Verbände bereit seien, sich an einer „Bild"-Kampagne zu beteiligen: Geschäfte, die für sich in Anspruch nehmen, die Euro-Einführung nicht zur Preistreiberei ausgenutzt zu haben, tun dies per Aufkleber im Schaufenster kund. 500 000 davon – Motto „Wir rechnen fair“– sind im Druck. Dann kommt der Teuro-Sheriff von „Bild“ und prüft dies. Eine Aktion nach dem Geschmack des Blattes, der Verbandsleute - und der Bundesregierung.

Doch ob dies die feine Art sei, wurde in Frage gestellt. Das spreche für den „Stil des Hauses“, wenn die „Bild"-Zeitung an einem Runden Tisch der Verbände teilnehme, meinte ein Vertreter der geladenen Organisationen. Zwei Verbände witterten einen Skandal, falls bekannt würde, dass das Künast-Ministerium mittels „Bild“ zu neuem Renommee finden will. Deshalb zögerten sie so lange wie möglich mit der Bestätigung, dass Quoos teilnehme. Das Kalkül: Aus Angst vor der Peinlichkeit, zum Regierungssprachrohr zu werden, könne „Bild“ seinen Mann in letzter Sekunde zurückziehen.

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