Bildung : Berlin im Pisa-Test auf hinteren Plätzen

Berlin hat im deutschen Pisa-Bundesländer-Vergleich schlecht abgeschnitten und meist nur hintere Plätze erreicht. Eindeutiger Sieger des deutschen Vergleichs ist erneut Bayern.

Berlin (14.07.2005, 16:51 Uhr) - In dem am Donnerstag veröffentlichten neuen Bericht liegt Berlin im Bereich Mathematik auf dem 13. Platz. Bei der Lesekompetenz und den Naturwissenschaften kommen die Berliner Schüler auf Platz 10 der Bundesländer. Im Bereich Problemlösekompetenz erreicht die Hauptstadt immerhin den 7. Platz. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) wertete das Abschneiden als Ansporn für weitere Reformen. Rund 4600 Schüler im Alter von 15 Jahren nahmen in Berlin teil.

In dem Bericht stellen die deutschen Pisa-Forscher außerdem die anhaltende Chancenungleichheit im Schulsystem heraus. Arbeiter- und Migrantenkinder würden zu wenig gefördert.

Im Schwerpunkt Mathematik und bei der Lesekompetenz bleibt Berlin deutlich unterhalb des OECD-Mittelfeldes, im Bereich Naturwissenschaft erreicht es den mittleren Bereich. Bei der Problemlösekompetenz liegt die Hauptstadt mit dem 7. Platz unter den Bundesländern im guten Durchschnitt der internationalen Teilnehmer. Der Rückstand gegenüber dem Gesamtsieger Bayern beträgt nach Einschätzung der Bildungsexperten bei Mathematik etwa ein Schuljahr.

Böger betonte, Berlin stehe vor Hamburg und Bremen und «durchgängig an der Spitze der Stadtstaaten», die eine besondere Struktur hätten. Zentrale Frage sei es weiterhin, Sprechen und Lesen der Schüler zu verbessern. Der große Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunft, die nur schlecht Deutsch sprechen, erfordere besondere Anstrengungen. Zu dieser Gruppe zähle ein Viertel der Berliner Schüler. An 27 Prozent der Grundschulen liege der Anteil der Kinder ausländischer Herkunft bei über 40 Prozent. Bei 40 Prozent der Hauptschulen werde die Marke überschritten.

Berlin wurde beim letzten Mal disqualifiziert, weil nicht genug Schüler an dem Test teilnahmen. Trotzdem will die Bildungsverwaltung im Herbst, wenn die Ergebnisse im Detail vorliegen, die Teilergebnisse von 2000 mit den jetzigen Resultaten von 2003 vergleichen.

Die schulpolitische CDU-Sprecherin Katrin Schultze-Berndt warf dem rot-roten Senat eine verfehlte Schulpolitik vor. Nötig sei eine noch frühere Sprachförderung für Kinder. Die FDP verlangte eine «konsequente Neuausrichtung der Berliner Bildungspolitik». Konsequent müsste auf Leistung und Leistungsförderung gesetzt werden.

Die Grünen forderten, die Chancen von Kindern aus sozial schwachen oder fremdsprachigen Familien wesentlich zu verbessern. Schulen in sozialen Brennpunkten oder mit einem hohen Ausländeranteil müssten zusätzlich gefördert werden.

Das miserable gesamtdeutsche Abschneiden beim ersten Pisa-Test hatte im Dezember 2002 in Deutschland einen Schock ausgelöst. Die Kultusminister beschlossen verschiedene Schulreformen, die nach ihren Angaben bis zum erneuten Pisa-Testtermin im Frühjahr 2003 allerdings nur bedingt greifen konnten. (tso)

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