Bildung : GEW will Imagekampagne für Lehrer

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft klagt über hohen Arbeitsdruck, Personalmangel und schlechte Bezahlung von Pädagogen.

Antje Sirleschtov

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht auf „Bildungsreise“ und will Schulen und Kitas besichtigen – und schon zum Auftakt weisen Bildungsexperten sie darauf hin, was in den Einrichtungen am dringendsten Not tut: Mehr Personal. Denn allein in den Schulen müssten in den kommenden fünf Jahren gut 100 000 Lehrer ersetzt werden, so rechnet der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, den Politikern vor. Abgesehen davon fehlten bis 2013 80 000 Erzieher und Tagespfleger, damit für die von Bund und Ländern geplante Aufstockung der Kinderkrippenplätze ausreichend Personal zu Verfügung steht. Zahlen in ähnlicher Größenordnung hatte bereits der neueste nationale Bildungsbericht genannt.

GEW-Chef Thöne sprach sogar von einem „dramatischen Pädagogenmangel“, dessen Auswirkungen von Politik und Öffentlichkeit noch gar nicht erfasst würden. Die Berufe Lehrer und Erzieher hätten mittlerweile ein so schlechtes Image, dass es an geeigneten Bewerbern für die Ausbildung fehle. Der Pädagogenmangel müsse zu „einem der drei ganz großen Themen des Bildungsgipfels“ werden, forderte Thöne. Bund und Länder sollten im Rahmen einer „nationalen Initiative“ die Finanzmittel zur Ausbildung und zur Einstellung der Pädagogen bereitstellen. Außerdem forderte der GEW-Chef eine Imagekampagne für Lehrer und Erzieher, die zudem eine bessere Bezahlung beinhalten müsse. Der Öffentlichkeit sei viel zu wenig bekannt, klagte der Gewerkschaftschef, wie „katastrophal“ die Bezahlung insbesondere der Erzieherinnen sei. „Kurz über Hartz IV“ liege deren Verdienst, ihre Anstellungsverträge seien zumeist Teilzeitverträge und zeitlich befristet. Diese Bezahlung stehe in keinem Verhältnis zu den Anforderungen, die die Gesellschaft hinsichtlich der Betreuung und vorschulischen Bildung der Kleinkinder an die Erzieherinnen stelle, sagte Thöne.

Ähnlich unattraktiv seien die Einkommen der Lehrer. Junge Berufsanfänger, klagt der GEW-Vorsitzende, würden heute im Schnitt 11 000 Euro brutto weniger im Jahr verdienen als noch vor fünf Jahren. Weil solche Einkommen in keiner Relation zu den Ausbildungsinhalten und zur Arbeitsbelastung stehe, würden die Studiengänge kaum gewählt. Die Schulen versuchten zwar, den Lehrermangel durch Senioren oder Seiteneinsteiger zu kompensieren. Dies, betonte Thöne, werde von der Gewerkschaft auch begrüßt. Allerdings würden solche Zusatzeinsätze oft dafür genutzt, dauerhaft Personallücken auszufüllen, für die qualifizierte Bewerber fehlen.

Angela Merkel plant für den 22. Oktober einen nationalen Bildungsgipfel in Dresden und besichtigt bis zu diesem Termin Bildungseinrichtungen im ganzen Land. Zum Auftakt besucht sie an diesem Donnerstag eine Kita in Frankfurt am Main, in die viele Kinder gehen, deren Muttersprache nicht deutsch ist, und später eine Fachhochschule für Erzieher in Darmstadt.

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