Politik : Bildung: Karlsruhe stärkt Religionsunterricht

Im Streit über den Religions- und Ethikunterricht in Brandenburg hat das Bundesverfassungsgericht als Kompromiss vorgeschlagen, konfessionellen Religionsunterricht auf freiwilliger Basis an allen Schulen des Landes anzubieten. Durch den Vorschlag des Ersten Senats erhält Religion fast die Stellung eines ordentlichen Lehrfachs. Derzeit wird in Brandenburg Religionsunterricht auf freiwilliger Basis außerhalb des Schule erteilt. Religiöse Kenntnisse werden in dem ostdeutschen Bundesland, in dem nur jeder fünfte Schüler konfessionell gebunden ist, im Fach Lebensgestaltung, Ethik und Religionskunde (LER) vermittelt.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die großen Kirchen sowie Eltern und Schüler hatten vor dem obersten Gericht dagegen geklagt, dass Brandenburg nur LER, nicht aber Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach eingeführt hat. Das Grundgesetz verpflichtet die Länder, Religion als ordentliches Lehrfach anzubieten, lässt aber Ausnahmen zu. Nach der mündlichen Verhandlung hatte das Bundesverfassungsgericht im Juli vorgeschlagen, nicht durch Urteil zu entscheiden, sondern einen Kompromiss anzubieten.

Der Besuch des Religionsunterrichts soll nach den Vorstellungen der Richter weiterhin freiwillig sein. Der Unterricht soll aber während des normalen Schulbetriebs angeboten werden. Den Schülern müsse die Teilnahme an LER und am Religionsunterricht ermöglicht werden, hieß es in dem Vorschlag der Richter. Auf Antrag der Eltern oder der Schüler über 14 Jahre müsse der Einzelne von LER freigestellt werden können. Die Noten für das Fach Religion könnten auf Antrag ins Zeugnis aufgenommen werden. Das Gericht gab den Parteien eine Entscheidungsfrist bis 31. Januar 2002. Der Landtag müsse bis zu Beginn des Schuljahres 2002/2003 ein entsprechendes Gesetz verabschieden.

Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) sagte, der Vorschlag bewege sich nahe an der Lebenswirklichkeit und sei ausgewogen. Als problematisch bezeichnete er jedoch den Vorschlag, dass sich das Land an den Kosten des Religionsunterrichts beteiligen soll. Stolpe bemängelte zudem die vom Gericht vorgeschlagene Möglichkeit für Schüler, sich von LER befreien zu lassen. Damit werde das Prinzip durchbrochen, dass jeder Schüler ausnahmslos am Ethikunterricht teilnehmen müsse.

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, äußerte sich zurückhaltend. Der Vorschlag sei komplex und könne daher nicht sofort bewertet werden. Die Kirchen könnten inhaltlich aber nicht zufrieden sein, da der Vorschlag hinter ihren Vorstellungen zurück bliebe, sagte Huber dem Tagesspiegel. So sei die Kritik an LER von dem Vorschlag nicht erfasst. Sehr bedauerlich sei auch, dass Religion nicht als Wahlpflichtfach akzeptiert würde. In Absprache mit den anderen Klägern werde nun über das weitere Vorgehen entschieden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben