Bildung : Kultusminister legen Streit um Lehrer bei

Nach dem Streit um die Abwerbe-Versuche von Berliner Lehrern haben sich die Kultusminister nun gegenseitig einen "fairen Wettbewerb" um die Nachwuchskräfte zugesichert. Die Lehrergewerkschaft GEW fordert: Der Lehrerberuf muss attraktiver werden.

Berlin/Stralsund Eine Anwerbung von Lehrern außerhalb der eigenen Landesgrenzen solle künftig nur in vertrauensvoller Abstimmung erfolgen, heißt es in einer am Donnerstagabend in Stralsund verabschiedeten Erklärung. Hintergrund des Streits war eine aktuelle Anzeigenkampagne des Landes Baden-Württemberg zur Anwerbung von 450 Nachwuchspädagogen aus anderen Bundesländern.

Alle Länder sähen sich "in gemeinsamer Verantwortung", heißt es in dem Beschluss. Gleichwohl bekennen sich die Kultusminister darin "zum Wettbewerb in einem kooperativen Föderalismus". Eine Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz (KMK) soll jetzt den Lehrerbedarf für die kommenden Jahre ermitteln.

Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) begrüßte den Beschluss. Berlin bilde traditionell deutlich mehr Lehrer aus, als es später tatsächlich einstellen könne, sagte Zöllner in einer Mitteilung. Mit der Einrichtung der Arbeitsgruppe könne nun ein zwischen den Ländern abgestimmtes Vorgehen erreicht werden. Auch in einem föderalen System dürften einzelne Länder nicht zu Lasten anderer Länder und letztlich auf Kosten der Schüler agieren.

Unmut über Abwerbe-Versuche

Vor allem Baden-Württemberg und Hessen hatten mit ihren offensiven Werbeaktionen in ostdeutschen Bundesländern und Berlin für Unmut gesorgt. Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) stellte klar, dass es dabei nicht um eine Abwerbung von Lehrern aus bestehenden Dienstverhältnissen gehe, sondern um ein Angebot für Referendare. Der Arbeitsmarkt für Referendare sei ein bundesweiter. Rau sprach sich gegen den im Vorfeld der Tagung geäußerten Vorschlag aus, dass jedes Land so viele Lehrer ausbilden solle wie es einstelle. "Das wäre eine Abschottung der 16 Bundesländer untereinander und käme einer Umkehrung früherer Beschlusslagen gleich."

Die Lehrergewerkschaft GEW forderte die Kultusminister zu Kontinuität in der Ausbildung und Einstellung von Lehrern auf. Verantwortungsvolle Personalplanung und -entwicklung erfordere gesamtstaatliches Handeln. "Es ist kein Naturgesetz, dass auf einen Lehrermangel eine -schwemme folgt und dieser Wechsel unveränderbar feststeht. Die Entwicklung der Schülerzahlen ist Jahre im Voraus bekannt", erklärte der GEW-Bundesvorsitzende Ulrich Thöne. Das hausgemachte Problem des Lehrermangels lasse sich nicht lösen, indem reiche Bundesländer mit Hilfe teurer Werbekampagnen den ärmeren die Lehrkräfte wegkauften. Der Lehrerberuf müsse attraktiver gemacht werden. (küs/dpa)

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