Bildung : Ohne Abi an die Uni

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) möchte den Hochschulzugang für Berufstätige ohne Abitur erleichtern.

Uwe Schlicht

Saarbrücken - Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) möchte den Hochschulzugang für Berufstätige ohne Abitur erleichtern. Die allgemeine Hochschulreife, die zu jedem Studiengang berechtigt, wird in erster Linie Meistern im Handwerk, Technikern und Fachwirten gewährt, beschloss die KMK am Freitag bei einer Sitzung in Saarbrücken. Außerdem sollen etwa Hochqualifizierte in der Schifffahrt die allgemeine Hochschulreife erhalten.

Andere Berufstätige ohne Abitur bekommen nur eine fachgebundene Hochschulreife: Wer eine Fachschule für Erzieher besucht hat, kann sich anschließend in einem Fachhochschulstudium für die Leitung eines Kindergartens qualifizieren. Voraussetzung für ein Studium ist, dass die Berufsausbildung auf Fachschulniveau mindestens zwei Jahre gedauert hat und die Absolventen danach eine dreijährige Berufspraxis nachweisen können. Um die Eignung der Bewerber zu prüfen, kann die Hochschule schriftliche und mündliche Tests verlangen.

Bisher gibt es in den 16 Ländern unzählige Sonderregelungen, die einem Hochschulwechsel entgegenstehen. Die Folge: Zulassungen zum Hochschulstudium, die in einer Universität ausgesprochen worden sind, werden von der Universität eines anderen Landes nicht anerkannt oder gelten allenfalls, wenn der aus der Berufspraxis kommende Student eine Zwischenprüfung erfolgreich abgelegt hat.

Auf solche Regelungen ist jedoch nach der Studienreform mit Bachelor und Master kein Verlass mehr, weil es festgelegte Zwischenprüfungen wie in den alten Diplomstudiengängen nicht mehr gibt, sondern in den neuen Studiengängen nur noch Modulprüfungen zum Abschluss eines Semesters die Regel sind. Deswegen drängt die Wirtschaft auf Änderungen und hat auch die Hochschulrektorenkonferenz von dieser Notwendigkeit überzeugen können. Die KMK will spätestens bei ihrer übernächsten Sitzung abschließend über das Thema entscheiden.

Die Kultusministerkonferenz sprach sich vor dem Bildungsgipfel für verstärkte Investitionen in die Bildung aus. Die aus der demografischen Entwicklung resultierenden Ressourcenspielräume sollten zur Verbesserung der Bildungsqualität genutzt werden. Uwe Schlicht

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