Bildung : Pisa-Studie jetzt auch für Studenten?

Es ist der Tag der Wahrheit: Mit Ungeduld hat der Bildungsbetrieb auf die Pisa-Ergebnisse gewartet. Doch nicht nur Klassenzimmer interessieren. Die Industriestaaten wollen nun auch die deutschen Hörsäle ins Visier nehmen.

Nicole Messmer,Marie Preuss
Hörsaal
Dumm an der Uni? Nach Pisa für Schüler sollen auch Studenten getestet werden. -Foto: dpa

BerlinHeute bekommt es Deutschland wieder schwarz auf weiß. Unsere Schüler sind zwar besser geworden, gut sind sie noch lange nicht. Und auch an deutschen Universitäten sieht es nicht rosig aus. Jetzt plant die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine internationale Hochschulstudie, die die Leistungen der Studenten ebenso vergleichbar machen soll wie die der Schüler.

Tatsächlich liegt in Deutschland einiges im Argen. So scheint sich die große Hoffnung auf das neue System der Bachelor-Studiengänge nur mäßig zu erfüllen. Einer internen Studie der Freien Universität zufolge liegt dort die Zahl der Studienabbrecher höher, als in Magister-Fächern. Und dabei hatten Bundespolitiker gehofft, gerade durch die verkürzte Studienzeit und eine bessere Betreuung der Studierenden die Absolventenzahlen in die Höhe zu treiben.

Denn nur 20 Prozent eines Jahrgangs erreichen in Deutschland einen Hochschulabschluss. Und obwohl im Vergleich mit anderen Staaten viele der Studenten eine naturwissenschaftliche Karriere einschlagen, sucht die Industrie in diesen Bereichen händeringend nach Angestellten. "Das Bildungssystem in Deutschland ist derzeit nicht in der Lage, den Bedarf der Wirtschaft zu decken", klagt Hermann Eul, Vorstand des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).

Mehr Preise, weniger Lehre

Aber Probleme gibt es nicht nur in Deutschland. Gerade die berühmten Universitäten Amerikas kranken am enormen Druck, ständig neue Artikel veröffentlichen zu müssen. Dozenten haben weniger Zeit für ihre Studenten, die Qualität der Lehre leidet. Die OECD plant jetzt mit der neuen Erhebungsmethode, einen internationalen Vergleich der Universitäten möglich zu machen.

Bislang gibt es lediglich zwei Versuche, Universitäten auch international vergleichen zu können: Das "Academic Ranking of World Universities" der Universität Shanghai und das Hochschulranking des "Times Higher Education Supplement" (THES). Gewertet werden hier vor allem die so genannten "Inputs" der Universitäten. Wichtig sind beispielsweise die Zahl der Professoren und Dozenten, der Preise und Publikationen, die eine Hochschule vorzuweisen hat.

Das Ziel der OECD ist es hingegen, herauszufinden, was am Ende bei den Studenten hängen bleibt. Eines Tages, wenn genügend Universitäten mitmachen, könnte dann ein wirklicher internationaler Vergleich möglich sein. Auch in Bezug auf die Hochschulausbildung soll dann jedes Land genau wissen, wo es steht. Andreas Schleicher, der Leiter des OECD-Teams, erklärt im Economist die genauen Ziele: "Wir wollen nicht die Geschichte einer Universität widerspiegeln, sondern fragen: Wofür interessiert sich der globale Arbeitgeber?"

Die Antwort, die etwa die IHK gibt, ist eindeutig: "Den Unternehmen kommt es nicht darauf an, jedes kleinste fachliche Detail zu prüfen. Wichtig sind übergreifende Kompetenzen wie Analyse- und Teamfähigkeit", erklärt Marion Haß, Leiterin des Bereichs Innovation, Technologie und Wissenschaft bei der IHK Berlin.

Bei einem Treffen der OECD-Bildungsminister im Januar erhofft sich die OECD die Zustimmung für die Planung. Die ersten Rankings könnten dann bereits im Jahr 2010 fertig sein.

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