Bildung : Privatuniversität Witten-Herdecke ist gerettet

Mit einer Finanzspritze von mehreren Millionen Euro beteiligen sich das Land Nordrhein-Westfalen und Sponsoren an der Rettung der Uni.

Amory Burchard

BerlinDie Insolvenz der Privatuniversität Witten-Herdecke (UWH) ist abgewendet. In der Nacht zum Freitag präsentierten Universitätsleitung und Gesellschafter im Wissenschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen ein „Zukunftskonzept“, teilten UWH und Ministerium am Freitag mit. Die Gesellschafter beteiligen sich demnach mit 16 Millionen Euro Kapital an der gemeinnützigen GmbH, von der die Uni getragen wird. Das Land will 13,5 Millionen Euro für 2009 und 2010 zur Verfügung stellen. Dass das Ministerium wegen angeblicher Managementfehler im Dezember den 4,5-Millionen-Zuschuss für 2008 gestrichen und drei Millionen zurückgefordert hatte, hatte die UWH an den Rand der Insolvenz gebracht.

Das Sanierungskonzept sieht nun vor, die Erträge der Uni zu steigern und in der Verwaltung 30 von 400 Stellen zu streichen. Geld einbringen sollen auch neue Studiengänge wie „Gesundheitsökonomie“ oder „Demenzversorgung“. Derzeit zahlen die rund 1000 Studierenden Gebühren von bis zu 2250 Euro im Quartal. Für eine erneute Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat soll insbesondere die Medizin ausgebaut werden. Zu den neuen Gesellschaftern gehört überraschend die Familie Droege. Die Düsseldorfer Unternehmens beratung Droege hatte noch im August 2008 als bisheriger Hauptsponsor der UWH die Zusammenarbeit gekündigt. Jetzt engagiere sich die Familie mit einer privaten Bürgschaft von 10 Millionen Euro, hieß es. Weitere Gesellschafter sind das Gemeinschafts krankenhaus Witten-Herdecke, von der katholischen Kirche getragene Krankenhäuser, die Software-AG-Stiftung und eine Initiative von UWH-Absolventen.

Einen potenziellen neuen Partner der UWH hat das Konzept nicht überzeugt – die SRH Holding. Der Gesundheits- und Bildungskonzern aus Heidelberg ist im letzten Moment abgesprungen. Das Sanierungskonzept verspreche „keine absolute Transparenz und keinen nachhaltigen Neuanfang“, sagte SRH-Direktor Nils Birschmann dem Tagesspiegel. So sei nicht gewährleistet, dass die Sponsoren für jeden Anteil an der GmbH das entsprechende Stimmrecht erhalten. Die vorgesehene fünfjährige Sanierungsphase sei zu lang, der Kapitalbedarf von 16 Millionen Euro bis 2013/ 2014 dagegen zu knapp bemessen, sagte Birschmann. Die SRH habe sich mit 20 Millionen Euro an der UWH beteiligen wollen.

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