Politik : Bildungsoffensive: Kleinschrittig (Kommentar)

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Es gibt Themen, da steht der allgemeine Konsens über das Notwendige in merkwürdigem Kontrast zur Tat. Johannes Rau hat dringend Bildungsreformen angemahnt, ganz wie sein Vorgänger Roman Herzog. Weder Bund und Länder haben sich bisher dazu aufgerafft noch Lehrer, Studenten, Professoren. Bei allen kann man allenfalls ein kleinschrittiges Bemühen feststellen, trotz großer Einsicht. Warum? Die alte Bundesrepublik kannte einmal eine große Bildungsdebatte, die alle bewegt hat. Der Wirtschaftsriese dürfe kein Bildungszwerg bleiben. Folglich wurde mehr ausgegeben für Hochschulausbau, Lehrer, Bafög und Lehrmittel. Über Strukturfragen und Inhalte begann ein Streit, fast ein Kulturkampf, um Gesamtschule und Konfliktpädagogik. Die am Bildungsprozess Beteiligten haben ihn nie verarbeitet, sondern ermattet aufgegeben. Das ermuntert nicht zu neuen Ideen, zu neuem Schwung. Allen Debatten über Bildung und Ausbildung haftet eine langweilige Mutlosigkeit an, man ergeht sich im Einerseits-andrerseits. Vielleicht könnten sich die Bildungspolitiker der Nation zunächst auf ein Kurzprogramm besinnen: Zwölf Jahre bis zum Abitur. Englisch ab der ersten Klasse und das erste Gedicht nicht erst in der fünften. Und: Pflicht zu Computer- und Internet-Kursen für alle Lehrer in den Schulferien.

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