Politik : Bildungsoffensive: Rau fordert höchste Priorität

rfi

Bundespräsident Johannes Rau hat neue Anstrengungen im Bildungsbereich angemahnt, um auf die Veränderungen in Beruf und Alltag reagieren zu können. In seiner Grundsatzrede am Freitag im Berliner Rathaus sagte Rau: "Wir brauchen Reformen, die viel tiefer gehen müssen, als mancher das vermutet." Dem Thema Bildung müsse in Politik und Gesellschaft höchste Priorität eingeräumt werden, da ihr bei der Bewältigung der Zukunftsaufgaben eine entscheidende Rolle zukomme. Die Zustimmung werde umso größer sein, je überzeugender und dauerhafter die Reform gelinge. "Was heute reformiert wird, darf nicht morgen schon wieder nachgebessert werden", sagte Rau. Bund und Ländern müssten mehr Geld in diesem Bereich investieren.

Rau knüpfte mit seiner Rede an eine Tradition an, die sein Vorgänger Roman Herzog begründet hatte. Der hatte noch bei seinem letzten Auftritt als Bundespräsident im April 1999 eine große Bildungsreform gefordert. Rau verlangte, dass einerseits die Qualität der Ausbildung verbessert werden müsse, und das andererseits niemand in unserem Bildungssystem auf der Strecke bleiben dürfe. Zuviele Studenten brächen ihr Studium ohne Abschluss ab, jeder zehnte Jugendliche gehe ohne Abschluss von der Schule. In einer Arbeitswelt, die immer höhere Qualifikationen voraussetze, gebe es für Ungelernte nur noch geringe Job-Chancen.

Rau hielt seine Rede beim ersten Kongress des Forum Bildung von Bundesregierung und den Ländern. In ihrer Begrüßungsrede an den Kongress hatte die Gastgeberin, Berlins Arbeits- und Sozialsenatorin Gabriele Schöttler (SPD), dafür plädiert, das Lernen innerhalb und außerhalb von Bildungseinrichtungen zusammenzuführen. So sollten die Erfahrungen mit spielerischem Lernen auch in der Schule Eingang finden. Die Senatorin forderte dazu auf, in der Gesellschaft eine "Verantwortungsgemeinschaft für Bildung" einzugehen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) sagten, dass Bund und Länder sich in bildungspolitischen Fragen aufeinander zu bewegt hätten. Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange, forderte die Kultusminister auf, endlich Konsequenzen aus den Reformüberlegungen zu ziehen. Die GEW sei bereit, die Erfahrungen der Pädagogen einzubringen, wenn die Politik mehr Geld zur Verfügung stelle.

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