Bildungspolitik : Berlin lehnt Zentralabitur ab

Der Berliner Bildungssenator und Präsident der Kultusministerkonferenz, Jürgen Zöllner (SPD), hat sich gegen ein bundesweites Zentralabitur ausgesprochen. Auch Sachsen-Anhalt zeigt sich kritisch: Ein "Zentralabitur wirft große organisatorische Schwierigkeiten auf".

BerlinZöllner halte ein Zentralabitur "nicht für einen entscheidenden Ansatzpunkt", um bundesweit mehr Vergleichbarkeit zu erreichen, sagte der KMK-Präsident dem "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe). Vielmehr müsse die KMK bei ihrer nächsten Sitzung im Oktober über das weitere Vorgehen bei den bundeseinheitlichen Bildungsstandards beraten. Als Berliner Bildungssenator kündigte Zöllner an, über Berlin hinaus mit Brandenburg ein gemeinsames Zentralabitur in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik für das Jahr 2010 vorzubereiten.

In den letzten Tagen hatten sich mehrere CDU-regierte Länder für ein bundesweites Zentralabitur ausgesprochen. Neben Zöllner lehnte auch das SPD-regierte Rheinland-Pfalz die Pläne ab. Einen Qualitätsgewinn könne er durch ein bundesweites Zentralabitur nicht erkennen, sagte Bildungsstaatssekretär Michael Ebling dem "Tagesspiegel". Bei der Forderung nach einem Zentralabitur werde verkannt, "dass es mit den Einheitlichen Prüfungsanforderungen (EPA) für das Abitur der Kultusministerkonferenz bereits Qualitätsstandards gibt, die eine Vergleichbarkeit bei der allgemeinen Hochschulreife sicherstellen". Ein bundesweites Zentralabitur würde auch eine Vereinheitlichung der Prüfungstermine erfordern, für die er bundesweit keine Mehrheit erkennen könne.

Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz, der in der Schulpolitik die CDU-regierten Länder innerhalb der Kultusministerkonferenz koordiniert, äußerte sich jetzt zurückhaltend zu den Plänen. Olbertz sagte, eine Neubewertung der inhaltlichen Gemeinsamkeiten und Standards im Abitur sei vielversprechend. Diese Neubewertung müsse aber nicht gleich in einem Zentralabitur münden. Die Forderung nach einem Zentralabitur werfe nicht nur große organisatorische Schwierigkeiten auf, sondern könne auch Konflikte zwischen den Ländern entstehen lassen. Deswegen sei er für eine langsamere Gangart. (Tsp)

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