Bildungspolitik : Mehr Hilfe für Schulabbrecher

Nach den bundesweit einheitlichen Standards für das Abitur hat die Konferenz der Kultusminister mehr Hilfen für mögliche Schulabbrecher beschlossen. Die Minister wollen die Zahl der Abgänger ohne Abschluss halbieren.

Mey Dudin,Fabian Stroetges

Bonn/BerlinDie Zahl der Schulabbrecher soll nach Willen der Kultusminister der Länder deutlich reduziert werden. Entsprechende Maßnahmen verabschiedete die Kultusministerkonferenz (KMK) bei ihrem zweitägigen Treffen in Bonn. Angestrebt werde, die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss möglichst zu halbieren. Am Vortag hatte das Gremium bundesweit einheitliche Bildungsstandards für das Abitur beschlossen.

Nach Angaben der Kultusminister beendeten im vergangenen Jahr 7,9 Prozent der Schüler ihre Ausbildung ohne Schulabschluss, darunter mehr Jungen als Mädchen. Besonders betroffen seien Jugendliche mit Migrationshintergrund. KMK-Präsident Jürgen Zöllner (SPD) kündigte an, vor allem benachteiligte Kinder und Jugendliche und solche mit Migrationshintergrund sollten individuell gefördert werden. In diesem Zusammenhang werde auch der Ausbau der Ganztagsangebote verstärkt fortgesetzt. In der Sekundarstufe I sollten die Begegnungen mit der Arbeitswelt intensiviert werden.

Die bundesweiten Abiturstandards sollen laut KMK zunächst in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache sowie für die naturwissenschaftlichen Fächer entwickelt werden. Die Bildungsstandards umfassten letzten Endes alles, "was die Schülerinnen und Schüler nach unseren Vorstellungen insgesamt lernen sollen", betonte Zöllner.

Problem: Schulzeitverkürzung

Den Vorwurf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Abiturstandards seien nur ein Ablenkungsmanöver von dem Problem der Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre, wies der Berliner Bildungssenator zurück. Er räumte zwar ein, dass die verkürzte Schulzeit mit einer Verdichtung des Unterrichtsstoffes einhergehe: "Aber dieses Problem muss man unabhängig von Standards oder von einem einheitlichen Prüfungstermin zum Abitur lösen."

Links-Fraktion und GEW zeigten sich von den Ergebnissen der Konferenz enttäuscht. Linke-Bildungsexpertin Nele Hirsch forderte, das dreigliedrige Schulsystem durch eine Gemeinschaftsschule zu ersetzen, in der alle Kinder gemeinsam lernen sollten. Diese "wichtige Strukturreform" werde bislang durch die Blockade mehrerer Bundesländer verhindert. Die GEW kritisierte "windelweiche Beschluss-Formulierungen".

Soziale Ungerechtigkeit in Bayern am größten

Derweil warnte die GEW in Bayern vor einer Überbewertung des bayerischen Schulsystems. Dass die bayerischen Schüler in Vergleichsstudien so gut abschnitten, hänge auch mit den günstigeren sozialen und ökonomischen Bedingungen im Freistaat zusammen, sagte der Vorsitzende Helmut Oskar Brückner. So habe die PISA-Bildungsstudie ergeben, dass nicht nur die Leistung, sondern zugleich auch die soziale Ungerechtigkeit im bayerischen Schulsystem im Bundesländervergleich am höchsten sei.

Es gebe eine starke "Koppelung des Schulabschlusses an den sozialen Hintergrund", betonte er. Die hohen Leistungen der bayerischen Gymnasiasten seien daher "erkauft mit einer starken sozialen Auslese". (mit ddp)

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