Politik : Bildungsreise an den Hindukusch Abgeordnete besuchten deutsche Soldaten

Sarah Kramer (mit dpa)

Berlin - Es gibt punktuell Fortschritte, aber die Sicherheitslage im Land hat sich dramatisch verschlechtert. Christoph Strässers Eindrücke von der Reise nach Afghanistan sind noch frisch. Auch der Gedanke, dass er und seine Kollegen am Samstag nur um ein Haar dem jüngsten Selbstmordanschlag in Kabul entgangen sind, ist noch präsent. Sein Konvoi mit drei Kollegen der SPD-Fraktion und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) hatte die Stelle, an der sich der Attentäter in die Luft sprengte, kurz vor der Explosion passiert. Inzwischen ist die Delegation wohlbehalten zurück in Berlin.

SPD-Fraktionschef Peter Struck hatte die Reise nach Kabul, Kundus und Mazar-i-Sharif initiiert – unter anderem, um für die aus seiner Sicht notwendige Verlängerung des Afghanistan-Mandats zu werben. Für Christoph Strässer steht nach seinem Besuch in Afghanistan und zahlreichen Gesprächen mit Bundeswehrsoldaten, Nichtregierungsorganisationen und Vertretern der deutschen Botschaft vor allem eines fest: Ohne die Unterstützung einer internationalen Schutztruppe gibt es für Afghanistan keine langfristige Perspektive. „Die Situation ist auf der Kippe“, sagte Strässer dem Tagesspiegel.

Nichtregierungsorganisationen hätten angekündigt, Afghanistan zu verlassen, wenn sich internationale Truppen aus dem Einsatz am Hindukusch zurückzögen. „Keiner weiß derzeit, wer außer einer internationalen Militärtruppe in Afghanistan für Sicherheit sorgen könnte“, sagt Strässer. Auch bei der Bundeswehr im Norden des Landes werde der Frust immer größer, berichtet der Bundestagsabgeordnete. Durch das allgemein hohe Sicherheitsrisiko sei der Aktionsradius der Soldaten im Land stark eingeschränkt. So habe sich inzwischen bei vielen die Einstellung verfestigt, dass Deutschland sein militärisches Engagement in Afghanistan besser einstellen sollte.

Nach sechswöchiger Geiselhaft in Afghanistan sind die von den Taliban-Rebellen freigelassenen 19 südkoreanischen Christen unterdessen wieder in der Heimat. Nach der Ankunft am Sonntagmorgen am Internationalen Flughafen Incheon bei Seoul entschuldigte sich eine der ehemaligen Geiseln im Namen der Gruppe bei der Bevölkerung für „die Unruhe und Sorgen“, die sie verursacht hätten. Keine neuen Nachrichten gab es am Wochenende zum Schicksal des deutschen Ingenieurs Rudolf B., der vor sechs Wochen in Afghanistan verschleppt worden war. Sarah Kramer (mit dpa)

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