Bildungsstreik : Der Ausweg: Studieren im Osten

Jammern wie beim derzeitigen Bildungsstreik wirkt befreiend, nützt aber nichts. Angela Elis weiß, wie Wessis von Ossis lernen können.

Angela Elis

Die meisten Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Uran muss Deutschland importieren. Das ist teuer und macht abhängig vom Fernen Osten und Wilden Westen. Deshalb wurde die Bildung als wichtigste Ressource für eine hell leuchtende Zukunft erkannt. Alle Politiker reden davon. Wer Kinder hat, kann solche Sonntagsreden nicht mehr hören. Nur mit Glück findet sich ein Kindergartenplatz, wo ja bekanntlich Bildung beginnt, und täglich erleben zu viele Eltern, wie zu viele Lehrer in überfüllten Klassen nur nach dem Prinzip „Friss oder stirb“ Dienst nach Vorschrift machen können, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Der Nachwuchs an der Uni wiederum schafft die Prüfungen nicht, weil die Kurse vielfach ausgebucht sind.

Typisch West – die ganze Misere wird wohlklingend verpackt und Bildungsreform oder international vereinheitlichter Bachelor- und Masterstudiengang genannt. Ebenso typisch West – nicht nur im Supermarkt gibt es des Guten zu viel und so die Qual der Wahl, auch beim Studienfach muss sich der davon überforderte Akademikerkandidat zwischen 12.300 Studiengängen entscheiden, die kryptische Bezeichnungen wie „Eingebettete Systeme“ oder „Anis“ haben, wobei Letzteres nicht mit Gewürzkunde zu verwechseln ist.

Jammern wie beim derzeitigen Bildungsstreik wirkt befreiend, nützt aber nichts, denn Jammern kann zur Gewohnheit werden. Das wissen wir aus Ostdeutschland. Deshalb kann der Osten, gestärkt durch die Veränderungsjahre, den Weg aus der Krise weisen. Die DDR-Zeiten mit allumfassender Kinderbetreuung und kostenlosem Unizugang sind zwar vorbei, aber durch den Aufbau Ost sind viele Millionen für neue Gebäude und Forschungsprojekte in die nicht mehr ganz so neuen Bundesländer geflossen, so dass die Hochschulen im Vergleich zum Westen vielfach Spitze sind. Einziges Problem: Die meisten im Westen wissen das (noch) nicht. Möglicherweise haben sie Ignoranz mit den Genen von ihren Eltern geerbt, jedenfalls geben sie mit Brett vorm Kopf auch fast 20 Jahre nach dem Fall der Mauer noch an, drüben sei es „trostlos, arm und grau“. Nur fünf Prozent können sich vorstellen, zum Studium dorthin zu ziehen.

Ein Armutszeugnis. Denn die Zeiten des verplanten Blödsinns sind längst vorbei, ganz im Gegenteil, Wessis könnten sogar von Ossis lernen, wie man ohne Schaden an Leib und Leben schon nach 12 Schuljahren mit genügend Rohstoff Wissen an die Uni kommt. Insofern: Willkommen in Fernost!

Angela Elis und Michael Jürgs mokieren sich im Wechsel über Ost und West.

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