Politik : Bill Clinton: In zwei Jahren Senator?

Friedemann Diederichs

Der größte Teil der Amerikaner zeigt sich nach einem dramatischen Präsidentenwahljahr noch erschöpft. Doch für die Sieger und Verlierer des bisher engsten politischen Zweikampfs in der US-Geschichte richtet sich der Blick bereits um mehrere Jahre nach vorn: Denn schon heute können Republikaner wie auch Demokraten die Weichen für die wichtigen Kongresswahlen im Jahr 2002 und schliesslich für die Abstimmung im Jahr 2004 zur Frage stellen, ob George W. Bush eine zweite Amtszeit vergönnt sein wird. Während sich der neue Präsident vor allem daran messen lassen muss, ob er sein Versprechen einer überparteilichen Politik einhalten kann, sehen die Demokraten dem nächsten Wahlgang in zwei Jahren durchaus optimistisch entgegen.

Die Gründe dafür haben sich erst in den letzten Tagen gezeigt: Der scheidende Präsident Bill Clinton will sich offenbar weiter stärker in der Tagespolitik engagieren, als Al Gore lieb sein kann, der sich bisher einen weiteren Anlauf für die Präsidentschaft offen gehalten hat. Zwar bietet die Verfassung mit dem Verbot einer dritten Amtszeit für Clinton ein unüberwindbares Hindernis, und auch ein Kongressmandat fehlt dem Mann aus Arkansas. Doch angesichts der überwältigenden Bürger-Zustimmung - er wäre in diesem Jahr problemlos wieder gewählt worden - fühlt sich das Zugpferd der demokratischen Partei weiter der öffentlichen Bühne verpflichtet.

Große Hoffnungen hegt man deshalb bei den Neuwahlen zum Senat, wo in zwei Jahren 20 republikanische und 14 demokratische Sitze zur Neubesetzung anstehen und man glaubt, dass derzeitige 50 zu 50-Patt zu eigenen Gunsten aufheben zu können. Ein solcher Erfolg würde zur "Halbzeit" der ersten Amtszeit Bushs diesem das Regieren wesentlich erschweren. Auch im Repräsentantenhaus glauben die Demokraten an gute Karten: Bei den drei letzten Urnengängen haben sie Sitze dazugewinnen können, und der Vorsprung der Republikaner beträgt hier nur noch neun Mandate.

Dass sich Al Gore in den nächsten Jahren gegenüber Bill Clinton als neue Lichtgestalt der Partei profilieren kann, halten nur wenige Demokraten für möglich. "Diese Partei ist bisher mit ihren Verwundeten nicht sehr pfleglich umgegangen," erinnert Parteistratege Erick Mullen. Gore wird sich bei künftigen Ambitionen vor allem fragen lassen müssen, warum er nicht aus den guten Rahmenbedingungen - einem seit acht Jahren anhaltenden Wirtschaftsaufschwung und einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit - Kapital schlagen konnte. Der Verzicht auf einen stärkeren Einsatz von Bill Clinton wird heute von Teilen der Partei als ausschlaggebend für die Niederlage Gores gesehen, der das Zähl-Drama in Florida und die juristischen Gefechte durch einen Gewinn der als sicher geltenden Bundesstaaten Arkansas und Tennessee hätte vermeiden können.

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