Politik : Bioethik: Scharfe Kritik an Gen-Thesen Nida-Rümelins

Die Kritik an den im Tagesspiegel veröffentlichten Äußerungen von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin zum therapeutischen Klonen riss auch am Wochenende nicht ab. Der Philosophieprofessor hatte in seinem Beitrag Embryonen eine Würde abgesprochen. Menschenwürde gebe es nur dort, wo einem menschlichen Wesen die Selbstachtung genommen werden könne. Dies sei bei Embryonen nicht der Fall.

Die dargestellte Beschränkung der Menschenwürde auf das Vermögen zur Selbstachtung öffne "jeder Missachtung Tür und Tor", sagte der Präsident des Deutschen Caritas-Verbandes, Hellmut Puschmann, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Der Chef der Ärztevereinigung "Marburger Bund", Frank-Ulrich Montgomery, warnte, die Thesen Nida-Rümelins führten weitergedacht "zur freien Abtreibung und Euthanasie". Der Vorsitzende der "Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung", Robert Antretter (SPD), sagte dem Magazin, bei einer Verknüpfung der Menschenwürde an intellektuelle Fähigkeiten würden viele Menschen nicht mehr davon erfasst. Der Vize-Vorsitzende des Vereins "Christdemokraten für das Leben", Hubert Hüppe, nannte es gefährlich", die Fähigkeit zur Selbstachtung als Kriterium für Menschenwürde zu deklarieren. Damit rückten auch geistig Behinderte, Wachkoma-Patienten oder an Alzheimer Erkrankte ins Blickfeld

Auch die Sozialdemokratin Margot von Renesse, Vorsitzende der Enquete-Kommission Bioethik im Bundestag, distanzierte sich in "Focus" von den Äußerungen Nida-Rümelins. Die Vorstellung, ein Embryo habe keine Menschenwürde, sei abstrus, sagte sie dem Focus. Sie habe in dieser Frage "dezidiert" andere Auffassungen als der Staatsminister, der ebenfalls der SPD angehört.

Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky sprach sich in scharfer Form gegen das Klonen menschlicher Embryonen aus. Die Behauptung, ein solcher Schritt beschädige nicht die Menschenwürde, sei "unverständlich und geradezu gefährlich", sagte Sterzinsky am Sonnabend im SFB. Der Kardinal betonte, der Grundsatz von der Unversehrheit und Unverletzlichkeit jedes Menschen von seinem Beginn an dürfe "durch kein noch so berechtigtes Interesse eingeschränkt werden". Sterzinsky sagte, für die unantastbare Würde jedes menschlichen Lebens einzutreten, müsse auch Konsequenz aus der menschenverachtenden NS-Ideologie sein: "Nie wieder darf sich jemand als Richter über die Würde eines Menschen aufspielen."

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