Politik : Bioterrorismus: Regierungen wollen über Gefahr durch B-Waffen informieren

Claudia Lepping

Die Regierungen der USA, Großbritanniens und der Bundesrepublik warnen unisono vor Hysterie im Umgang mit einer potenziellen Gefährdung durch biologische Waffen. Während die Ermittler der amerikanischen Bundespolizei FBI nach den beiden Infektionen von Reportern der Boulevardzeitung "Sun" im Bürogebäude von Boca Raton keine weiteren Milzbranderreger gefunden haben, sollen dennoch Hunderte weitere Personen vorsorglich untersucht werden. Auch in Berlin und London hieß es: Information und Prophylaxe vor Aktionismus.

Die Bundesregierung richtete am Mittwoch beim Berliner Robert-Koch-Institut eine Informationsstelle zu biologischen Kampfstoffen ein. Sie soll alle Erkenntnisse sammeln und sich eng mit den Sicherheitsbehörden abstimmen. Regie führt das Bundesgesundheitsamt, nicht aber ohne auf Informationen der Ressorts Verteidigung und Inneres zurückzugreifen. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye betonte, die Einrichtung einer solchen Informationsstelle solle eine "Versachlichung" des Themas erreichen.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Im Falle einer Bedrohung durch biologische Kampfstoffe sind in Deutschland verschiedene Institutionen auf den Plan gerufen. Das Bundesverteidigungsministerium ist dabei ausschließlich für den Schutz der Soldaten zuständig. Jeder Bundeswehrangehörige verfügt über entsprechende ABC-Schutzkleidung - gegen atomare, biolgische und chemische Einflüsse. Sie ist "ein hinreichender, keineswegs aber dauerhafter Schutz", betont Oberstleutnant Buch vom Infostab. Zu dieser Schutzausrüstung gehören mit Spezialfiltern ausgestattete Masken, Jacke, Hose, Handschuhe und Überschuhe und sogar ein ABC-Poncho. Die Soldaten tragen ein Entgiftungspulver (C 8 Calciumhypochlorid) bei sich, dazu einen Block Kampfstoffspürpapier - und Schmierseife. "Die Wirksamkeit des Schutzes hängt davon ab, wie lange sich die Soldaten von den vermutlich verseuchten Lebensmitteln oder schädlichem Wasser isolieren können", so Buch: "Einen sicheren Schutz gibt es nicht." Wann der Ernstfall eintritt, entscheidet der Bundessicherheitsrat.

Für den Schutz der Zivilbevölkerung ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums das Gesundheitsressort zuständig, das wiederum an das Innenministerium und die Länder verweist. Der Zivil- und Katstrophenschutz ist Sache der Bundesländer und des Bundesverwaltungsamtes. Hinter vorgehaltener Hand räumen die zuständigen Dienststellen ein, dass es kaum abgestimmte Alarmpläne, Impfvorschriften oder genormte Schutzausrüstungen für Zivilisten gibt.

Bei der Infektion mit Milzbranderregern muss die medizinische Behandlung und Prophylaxe mit hochdosiertem Penicillin G umgehend beginnen. Die Betroffenen müssen sofort isoliert werden, und für das Krankenhauspersonal besteht die Pflicht, im Umgang mit Patienten ebenfalls Schutzkleidung zu tragen (www.medicine-worldwide.de).

Ein britischer Regierungssprecher dementierte am Mittwoch Berichte, wonach London Beweise dafür habe, dass der mutmaßliche Terrorist bin Laden über Bio-Waffen verfügt. Aus dem britischen Außenministerium waren solche Vermutungen geäußert worden.

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