Birma : Am Ort des Sturms wird schon gebaut

Im Katastrophengebiet entstehen neue Häuser und eine Klinik – auch mit Hilfe aus Berlin. Die UN fordert unterdessen weitergehende Öffnung für Helfer und Güter.

Richard Licht[Rangun]
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Nach Zyklon in Birma: Überlebende warten auf Lebensmittel. Eine Hungersnot droht. -Foto: dpa

Es geht zu wie im Bienenstock. Sie hämmern und hieven Bleche auf Holzstelen. Es muss vorangehen hier im westlichen Bezirk von Burmas Hauptstadt Rangun, der vom Zyklon Nargis vor zwei Wochen so heftig getroffen wurde. Denn die Menschen auf der anderen Seite des breiten trägen Flusses dürfen nicht mehr im Kloster und in der Schule bleiben. Die Regierung hat Heimgehen verordnet. „Jetzt wohnen meist zwei Familien in einem Haus, nacheinander reparieren sie dann gemeinsam ihre Häuser“, berichtet eine junge Frau. Das Baumaterial werde knapp.

Vor einer Woche war hier in Kyimyindine am Hlaing-Fluss das Kloster Chaungwa und die Schule voller Menschen, die Hilfe suchten. Jetzt ist im Hauptgebäude niemand mehr, in der Klosterschule hausen noch rund 30 Menschen. Sie hatten keine eigenen Häuser, lebten als Bedienstete bei ihren Arbeitgebern. Aber die haben ihre Häuser noch nicht wieder repariert. Sie wissen im Moment nicht, wohin, erzählen sie. Eigentlich ist das Ultimatum zur Räumung bereits abgelaufen, aber der lokale Verantwortliche drückt offenbar ein Auge zu. Der Unterricht soll in gut einer Woche wieder beginnen, sagen Nachbarn. Auch in dem windschiefen Lagerhaus ein paar Ecken weiter in diesem Armenviertel sind noch immer 57 Menschen untergekrochen, davor türmt sich eine Halde aus Müll und Sturmtrümmern.

Auch Stefan Radelich hatte Glück mit der Beweglichkeit von Anordnungen der Regierung. Der kroatischstämmige Hüne aus Indiana ist für die Organisation Feed The Hungry für sechs Tage eingeflogen. „Wir haben ein Visum beantragt und es direkt bei der Einreise in Rangun bekommen“, lächelt er. „Vielleicht ändern sie hier manchmal die Regeln. Sie hatten ihm dann sogar die Genehmigung gegeben, auf der anderen Seite des Flusses, in Dala, Wasseranlagen aufzustellen. Jenseits des Flusses dürfen sich Ausländer derzeit ebenso wenig aufhalten wie im Irrawaddy-Delta. Die Genehmigung haben sie dann aber wieder zurückgezogen. „Wir haben sehr, sehr viel Geld, um hier zu helfen.“ Aber man wüsste schon gern, was damit passiert. Nun arbeitet er mit einem kleinen Team aus Indiana und Florida hier. Auch jenseits des Flusses.

Die kleinen Maschinen, die sie aufgestellt haben, spucken pro Stunde etwa 113 Liter sauberes Wasser aus. Sechs davon haben sie hier aufgestellt. Jede Familie soll erst einmal 15 Liter bekommen. Morgen geht es für Radelich schon wieder heim. „Dann löst mich mein Kollege von unserem deutschen Büro aus der Nähe von Frankfurt ab.“ Die Wasseranlagen wollen sie für immer da lassen. „Das ist hier doch ein dauerhaftes Problem.“

Auf dem Gelände zwischen Schule und Kloster, das vor einer Woche tief unter Wasser stand, ist inzwischen ein neues Fundament aus Ziegeln angelegt. Hier entsteht mit Spendengeldern aus Berlin eine kleine Klinik für das Viertel, in dem rund 1000 Familien leben.

Gurgelnd gräbt sich die Hacke in den Matsch, ein Lehm verschmierter junger Mann löst große grau-braune Brocken aus dem schmatzenden Untergrund, die zwei andere dürre Gestalten sich die auf Schultern laden und an der Ziegelwand abwerfen. So soll das Fundament gegen das Wasser abgedichtet werden. Damit dichten sie das Fundament gegen das Wasser ab. Stefan Kraft vom Berliner Asienspezialisten Geoplan und seine Stammkunden haben gleich nach dem Zyklon Nargis mehrere tausend Dollar Spenden gesammelt. Da es mit der Überweisung in diesen Zeiten ein bisschen dauert, hat seine birmanische Partnerin das Projekt vorfinanziert und bereits vergangene Woche Geld gebracht. Es sollte schnell gehen und nachhaltig sein, nicht nur reine Nothilfe sein, hat sich Kraft gewünscht. Seine Partnerin Su Su hat dieses Projekt für die Berliner ausgesucht. Sie wird mit ihrem Geld jetzt anderswo weiter helfen. „Es gibt viele solcher Orte wie diesen hier, wo sie Hilfe brauchen“, sagt die Unternehmerin.

Der Architekt hat am Freitag mit zehn Mann den Klinikbau begonnen. U Aung Moe hat auf einem A-4-Blatt aufgezeichnet, wie die Krankenstation in Kürze aussehen soll. Ein Giebeldach wird zwei Räume und eine kleine Toilette überspannen. Ein Sprechzimmer und einen Behandlungsraum mit einem Bett hat er vorgesehen. Die Patienten sollen auf einer Bank auf einer kleinen Terrasse draußen warten. „Das hier wird ein Sonnendach. Ich denke, das ist unbedingt nötig.“ U Aung Moe blickt von seinem kleinen Plan auf. Darum habe er den Auftrag erweitert. „Das geht auf meine Kosten.“ Die Kranken sollen geschützt warten, meint er.

Dann zeichnet er noch schnell ein quaderförmiges Gebilde in den Giebel. „Das wird das Namensschild“, strahlt U Aung Moe. Und dankt noch schnell im Namen aller Menschen von Myanmar für die Hilfe aus Deutschland.

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