Birma : Blutiger Donnerstag: Schüsse in die Demonstrantenmenge

In Birma ist kein Ende der Gewalt in Sicht: Bei dem Versuch der Militärjunta, die anhaltenden Massenproteste mit brutaler Härte zu ersticken, sind heute mindestens neun Menschen ums Leben gekommen - unter ihnen ein japanischer Fotojournalist.

Rangun
Das Militär reagiert mit nackter Gewalt auf die anhaltenden Proteste. -Foto: dpa

Rangun/TokioSoldaten schossen in die Demonstrantenmenge und stürmten mehrere Klöster buddhistischer Mönche. Unter den Toten ist nach Medienberichten mindestens ein Ausländer - ein Pressefotograf aus Japan. Die Regierung in Tokio bestätigte, dass bei einer Leiche ein japanischer Pass gefunden wurde.

Militär und Polizei räumten heute eine der großen Straßen in der Nähe der abgeschirmten Sule-Pagode, einem der Zentren des friedlichen Widerstands buddhistischer Mönche. Dort hatten sich erneut rund 10.000 Demonstranten versammelt und gegen das seit 45 Jahren herrschende Militärregime aufbegehrt. Unter ihnen waren nur noch wenige Mönche. Die Demonstranten flüchteten, als das Militär über Lautsprecher ultimativ mit "extremen Aktionen" drohte. Schon am Mittwoch waren nach unbestätigten Berichten bis zu acht Menschen in den Straßen Ranguns ums Leben gekommen.

Soldaten stürmen Klöster

Zur Unterbindung weiterer Proteste hatten birmanische Soldaten bereits in der Nacht mehrere Klöster in der Hafenstadt Rangun gestürmt und mehr als 100 Mönche festgenommen. Augenzeugen berichteten, die Mönche seien geschlagen worden und schreiend aus den Klöstern abtransportiert worden. In der Nähe des Ngwe-Kyar-Yan-Klosters griffen etwa 1000 empörte Dorfbewohner einen Militärlaster mit Steinen an. Sie wurden mit Tränengas in die Flucht geschlagen. Die in Birma tief verehrten Mönche waren bislang die Speerspitze der größten Massenproteste seit Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1988.

Nachdem sich der UN-Sicherheitsrat wegen des Widerstands Chinas bei einer Dringlichkeitssitzung in New York nicht auf eine Verurteilung des Blutvergießens in Birma hatte einigen können, warnte Peking das befreundete Militärregime vor einer weiteren Zuspitzung. Es müsse vermieden werden, "dass die Situation eskaliert und komplizierter wird", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, in Peking. Auch Japan rief die Militärjunta zu Gewaltverzicht auf. "Wir erwarten, dass die Situation durch Dialog gelöst wird", sagte Regierungssprecher Nobutaka Machimura in Tokio.

Steinmeier kritisiert zögerliche UN-Haltung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die zögerliche Haltung des UN-Sicherheitsrats zur Lage in Birma bedauert. "Ich bin besorgt, dass es bei klar feststellbaren Menschenrechtsverletzungen, die es in Birma gegeben hat, zu keiner Resolution mit klaren Verurteilungen und Sanktionen gekommen ist", sagte Steinmeier in New York.

Deutschland und weitere EU-Länder verschärften unterdessen ihre Hinweise für Reisen nach Birma. Wegen der eskalierenden Lage riet das Auswärtige Amt, ab sofort von "nicht unbedingt notwendigen" Besuchen abzusehen. Die politische Lage im ganzen Land, insbesondere in den großen Städten, sei gespannt. Bei andauernden Protesten seien "noch brutalere Reaktionen der Sicherheitskräfte nicht auszuschließen", betonte das AA. Laut Schätzungen halten sich derzeit etwa 150 Deutsche in Birma auf, darunter etwa 50 Touristen. Bei den anderen handelt es sich um Geschäftsleute und Mitarbeiter von Tourismusunternehmen.

In London demonstrierten mehrere hundert Menschen vor der Botschaft Birmas und forderten ein Ende der Unterdrückung in dem südostasiatischen Land. Exil-Birmanen und Mitglieder britischer Menschenrechtsgruppen beteten für Frieden und riefen die Militärs in Birma in Sprechchören und auf Spruchbändern auf, das Verlangen des Volkes nach Demokratie nicht länger zu unterdrücken. (mit dpa)

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