Birma : „Es drohen weitere Katastrophen“

Der Johanniter Alexander Richter war in Rangun – er fürchtet eine Lebensmittelknappheit

Annette Kögel

Berlin - Als ihn der Anruf zu Hause erreichte, überlegte Alexander Richter nicht lange. „Das ist das, was du wolltest, also pack schnell die Koffer“, sagte die Frau des 38-jährigen Rettungssanitäters aus Hamburg. Der zweifache Vater flog mit drei Kollegen im ersten Erkundungsteam der Johanniter nach Rangun.

„Die Militärpolizei hat uns aber daran gehindert, mit dem Auto voller Medikamente und medizinischem Gerät ins Irrawaddy-Delta zu fahren.“ Dennoch appelliert Richter zu spenden: Die Johanniter gehören der „Aktion Deutschland hilft“ deutscher Wohlfahrtsverbände an. „Die Helfer unserer lokalen Partnerorganisationen, die vor dem Zyklon im Land waren, haben die Erlaubnis, dort zu arbeiten. Die Hilfe kommt an.“ Richter ist braungebrannt, aber Urlaubsfarbe ist das nicht. Es gab Gespräche mit Regierungsvertretern, Behörden. Um die Ergebnisse mitzuteilen, flog er zurück. „Zugang zum Internet hat man kaum. Und nach und nach wurden die Internetseiten unserer Mail-Provider gesperrt. Wir haben auch Sorge, dass Telefone abgehört wurden.“ Richter hat Zeitungen mitgebracht, um zu zeigen, dass ausländische Hilfe nicht generell zur Leistung der Regierung umetikettiert werde. Was die Zukunft betrifft, ist er sehr besorgt: „Es drohen weitere Katastrophen.“ Während der Regenzeit fallen innerhalb von Wochen Wassermengen vom Himmel wie in Deutschland in mehreren Jahren. Die Felder sind von Salzwasser überschwemmt. „Es droht eine Lebensmittelknappheit ungeahnten Ausmaßes.“ Und die Menschen sind verzweifelt. „Ich habe fast meine ganze Familie verloren, ich wünschte, ich wäre selbst tot“ – das hat der „aus tiefster innerer humanitärer Überzeugung“ tätige Helfer oft gehört. Annette Kögel

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