Birma : Junta bestätigt Massenfestnahmen

Die Machthaber in Birma gehen gnadenlos gegen Sympathisanten der jüngsten Protestbewegung vor. Gezielt wird nach Menschen gesucht, die an den Demonstrationen beteiligt waren. Laut Angaben der Junta sind mehr als 2000 Menschen festgenommen worden.

RangunIn Birma ist nach den Massendemonstrationen gegen das Militärregime eine beispiellose Verhaftungskampagne im Gang.  Menschen werden mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und weggeschafft, berichteten Einwohner. In der Nacht seien in der Nähe der Shwedagon-Pagode zahlreiche Menschen festgenommen worden. "Ihr Verbrechen ist, dass sie geklatscht und die Mönche angefeuert haben", sagte ein Augenzeuge. In der vergangenen Woche sind nach Angaben der Militärführung mehr als 2000 Menschen festgenommen worden. Das berichtete das birmanische Staatsfernsehen.

"Wir wissen, wer dabei war"

Die Razzien legen nahe, dass das Militär vergangene Woche auch vor der Niederschlagung der Proteste mit Tränengas und Maschinengewehren schon im Einsatz war: mit Geheimdienstlern in Zivil, die Demonstranten und Zuschauer fotografierten. "Wir haben Bilder, wir wissen, wer dabei war", tönte es nach Angaben von Einwohnern in den letzten Tagen von Lautsprecherwagen, die durch die Straßen fuhren. In den engen Gassen von Rangun blieben die Festnahmen trotz der nächtlichen Ausgangssperre jedoch nicht unbemerkt. Die Menschen versuchten, Nachbarn durch Lärm zu alarmieren.

Auch mehrere einheimische Journalisten wurden in Gewahrsam genommen. Wo die Menschen festgehalten werden, weiß niemand. Das Rote Kreuz hat seit Monaten keinen Zugang mehr zu Birmas Gefängnissen, in denen es besonders brutal zugehen soll. Freigelassene berichten von Internierungslagern um Rangun mit verheerenden hygienischen Zuständen. Dort sollen neben Zivilisten auch hunderte festgenommener Mönche eingekerkert sein.

Die Säuberungsaktionen laufen während der nächtlichen Ausgangssperre, die in der vergangenen Woche am Mittwoch verhängt wurde. Unter anderem wurde auch eine Mitarbeiterin der Vereinten Nationen zusammen mit Familienmitgliedern zu Hause abgeholt, nach einem Tag aber wieder auf freien Fuß. Die Freilassung ereignete sich kurz bevor der UN-Sondergesandte Ibrahim Gambari Generalsekretär Ban Ki Moon über die Ergebnisse seines viertägigen Besuchs in dem Land informieren wollte.

Gambari wollte Ban noch heute über seine Gespräche mit dem birmanischen Militärjuntachef Than Shwe und Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi informieren. Ban sagte, er sei "schon recht zufrieden", dass Gambari "überhaupt mit Vertretern von Birmas Führung und Frau Aung San Suu Kyi zusammentreffen konnte". Gambari werde im November ein zweites Mal nach Birma reisen. Am Freitag wolle der Sonderbeauftragte dann den Sicherheitsrat informieren und mögliche Schritte gegen die Führung in Birma erörtern. (mit dpa, AFP)


 

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