Birma : Mönche drohen mit Aufruf zum Olympia-Boykott

Birmas Mönche wollen zu einem Boykott der Olympischen Spiele in China aufrufen, wenn Peking eine Verurteilung Birmas im Weltsicherheitsrat erneut verhindert. Das kündigte der Organisator der Massenproteste an, der auf der Flucht vor der Militärjunta untergetaucht ist.

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Solidarität mit den Protesten in Birma zeigen diese Mönche im indischen Mumbai. -Foto: dpa

Rangun/Washington"Wenn die chinesische Regierung wieder ihr Veto benutzt um eine Birma-Resolution zu verhindern, rufen wir die Mönche weltweit auf, eine Olympiaboykott-Kampagne zu starten", zitierte die Exilgruppe "US- Kampagne für Birma" den Mönch U Gambira. Er gehört der Mönchsvereinigung "All Burma Monks' Alliance" an, die im Untergrund agiert und die Massenproteste gegen das Militärregime Mitte September organisiert hat. Die Junta fahndet nach U Gambira, der nach Angaben der Exilgruppe untergetaucht ist.

Die Gruppe zitiert einen anderen Mönch, U Metta Nanda, nach dessen Angaben Soldaten nach der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen vor zwei Wochen in mindestens 37 Klöster eindrangen und 300 bis 500 Mönche ermordeten. Offiziell hat die Junta bislang nur zehn Tote eingeräumt.

Die Militärregierung droht unterdessen fast eintausend Demonstranten mit Haftstrafen. Wer wegen Gesetzesverstößen festgenommen worden sei, müsse auch vor Gericht gestellt werden und im Falle eines Schuldspruchs eine Gefängnisstrafe absitzen, hieß es in der staatlichen Zeitung "New Light of Myanmar", die als Sprachrohr der Regierung gilt. Gleichzeitig warf die Junta den Demonstranten vor, mit ihren Protesten der Wirtschaft des Landes geschadet zu haben. Läden und Restaurants hätten deswegen schließen müssen, viele Tagelöhner hätten ihre Arbeit verloren, hieß es in der Zeitung. Die Bürger wären deshalb inzwischen der Ansicht, dass die Mönche und die zivilen Demonstranten die Menschen "ärmer gemacht" hätten.

Ende September waren, von den Mönchen angeführt, rund 100.000 Menschen auf die Straßen von Rangun gegangen. Auslöser der Proteste waren die gestiegenen Benzin- und Warenpreise. Bei der blutigen Niederschlagung der Demonstrationen wurden mindestens 13 Menschen getötet und mehr als 2100 festgenommen.

Trotz der weiterhin harten Töne des Regimes gab es in den vergangenen Tagen auch Zeichen der Entspannung: Am Wochenende verkündete die Junta die Freilassung von mehr als 2000 Festgenommenen. Auch ernannte sie den Vize-Arbeitsminister Aung Kyi zum Unterhändler für Kontakt zu der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die seit Jahren unter Hausarrest steht. Dissidenten argwöhnen jedoch, dass die Junta damit nur Aktionismus vortäuscht, so lange die internationale Gemeinschaft noch auf Birma schaut, aber keine Absicht hat, mit der unter Hausarrest stehenden Politikerin zu reden. (mit dpa)

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