Birma : Oppositionsführerin will schlichten

"Im Interesse unseres Volkes" will San Suu Kyi mit der Militärregierung zusammenarbeiten. Sie soll den Dialog zwischen den politischen Gruppierungen des Landes und der Militärregierung führen. Auch der Vermittler der Vereinten Nationen, Ibrahim Gambari, zeigt sich vorsichtig optimistisch.

New York/RangunDie seit Jahren unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin von Birma, Aung San Suu Kyi, will sich nach der blutigen Niederschlagung friedlicher Proteste durch die Militärjunta als nationale Vermittlerin zur Verfügung stellen. "Im Interesse unseres Volkes bin ich bereit, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, um den Dialogprozess zu einem Erfolg zu führen", erklärte die Nobelpreisträgerin UN-Angaben zufolge.

Sie werde zwar weiter der Linie ihrer Partei folgen. Angesichts des dringend erforderlichen nationalen Zusammenhalts wolle sie jedoch eine möglichst große Bandbreite von politischen Organisationen und Kräften vertreten, kündigte die 62-jährige mit Hinweis auf die unterschiedlichen ethnischen Gruppen im Land an. Die Erklärung wurde in Suu Kyis Namen von dem UN-Sondergesandten Ibrahim Gambari in Rangun vorgetragen und bei den Vereinten Nationen in New York verbreitet.

Dank an die UN

Suu Kyi war zuvor mit Gambari in einem Gästehaus der birmanischen Regierung zusammengetroffen. Die Vereinten Nationen machten keine konkreten Angaben zum Inhalt der Gespräche, äußerten sich aber vorsichtig optimistisch. "Wir sind nicht mehr da, wo wir vor wenigen Wochen waren", teilte das UN-Büro in Rangun nach der Abreise Gambaris nach Singapur mit. "Wir sind jetzt in einem Prozess, der zu einem substanziellen Dialog zwischen der Regierung und Aung San Suu Kyi führen könnte. (...) Je früher er beginnt, desto besser."

Suu Kyi dankte in ihrer Erklärung den Vereinten Nationen für den "unerschütterlichen Rückhalt" im Interesse der nationalen Versöhnung. Ein erstes Treffen mit dem neu ernannten birmanischen Minister für Beziehungen Aung Kyi am 25. Oktober sei "konstruktiv" verlaufen, sie freue sich auf regelmäßige Diskussionen, ließ sie erklären. "Ich erwarte, dass diese Phase der vorbereitenden Gespräche bald endet, so dass ein gehaltvoller und zeitlich begrenzter Dialog mit der SPDC-Spitze (der Regierung von Birma) beginnen kann."

Kein Treffen mit Juntachef Than Shwe

Gambari hatte sich bei seinem zweiten Besuch in dem südostasiatischen Land seit der brutalen Niederschlagung der Proteste Ende September erneut für diesen Dialog eingesetzt. Ihm gelang es allerdings nicht, den starken Mann des Regimes, Juntachef Than Shwe, zu treffen. Für Montag wurde Gambari in New York zurückerwartet. Er soll dort UN-Generalsekretär Ban Ki Moon über seine Reise berichten. Am Sonntag trifft der UN-Menschenrechtsbeauftragte Paulo Sergio Pinheiro in Birma ein.

Bei dem Militäreinsatz gegen Mönche und Zivilisten waren nach offiziellen Angaben zehn Menschen, nach Dissidentenschätzungen mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Nach einem weltweiten Aufschrei der Empörung wollen die Vereinten Nationen jetzt eine Öffnung des Regimes erreichen. Suu Kyi hatte mit ihrer Partei Nationalliga für Demokratie 1990 die Wahlen gewonnen. Das Regime erkannte das Ergebnis aber nie an. (mit dpa)

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