Politik : Birmingham hat Glück gehabt

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Birmingham Für einige Stunden befürchtet Großbritannien am Samstagabend einen zweiten großen Terroranschlag binnen drei Tagen. Um kurz vor Neun verstummt in den Pubs und Restaurants des Vergnügungsviertels von Birmingham die Musik. Geburtstagspartys, Junggesellenabende und sogar eine Hochzeitsfeier werden abrupt unterbrochen. Polizisten kommen herein und ordnen in ruhigem Ton an: „Bitte gehen Sie nach draußen. Wir müssen dieses Gebiet räumen.“

Etwa 20000 Menschen strömen durch die Straßen der zweitgrößten Stadt des Landes aus der Sperrzone. Hubschrauber-Brummen mischt sich mit Sirenengeheul. Gerrard Murphy (32), der gerade seinen Hund ausführt, fragt einen Polizisten, ob er zu seiner Wohnung zurückgehen kann. Die Antwort ist Nein. James Banks (26), der in einem Café gesessen hat, sagt: „Es ist ein Schock nach dem, was in London passiert ist, aber alle versuchen, nicht daran zu denken.“ Älteren Leuten kommt sofort wieder der Bombenanschlag der IRA von 1974 in den Sinn: Damals starben 21 Pub-Besucher.

Der „Blitz Spirit“, den die Briten schon in London an den Tag gelegt haben, ist auch in Birmingham allgegenwärtig. Kein Rennen, kein Schreien, kein Klagen – ganz nach dem Vorbild jenes blutüberströmten Mannes, der am Donnerstag aus der Londoner U-Bahn kam und lakonisch feststellte: „Ich habe wirklich großes Glück gehabt.“ In Birmingham scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen, als in einem roten Doppeldeckerbus ein verdächtiges Paket gefunden wird. Ein ferngesteuertes Roboterfahrzeug mit Teleskoparm rollt heran und bringt das Paket zu einer „kontrollierten Explosion“. Ergebnis: Fehlalarm.

Am Sonntag muss sich Polizeichef Paul Scott-Lee fragen lassen, ob er da nicht doch vielleicht überreagiert hat. Der Mann in Uniform bestreitet das: „Ich kann Ihnen versichern, dass die Information, die wir erhalten haben, darauf hinwies, dass das Leben der Menschen in der Innenstadt von Birmingham real bedroht war.“ dpa

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