Birthler-Behörde : Bericht über "Rosenholz"-Dateien veröffentlicht

Die Birthler-Behörde hat den lange erwarteten Forschungsbericht über die "Rosenholz"-Dateien veröffentlicht. Zuvor waren Vorwürfe laut geworden, dass die Informationen wegen politischer Brisanz zurückgehalten wurden.

BerlinDie Stasi-Unterlagenbehörde hat den lange angekündigten Forschungsbericht zu den geheimnisumwitterten "Rosenholz"-Dateien der DDR-Auslandsspionage veröffentlicht. "Wer sich von 'Rosenholz' sensationelle Enttarnungen von Stasi-Spitzeln im Westen erhofft, wird eher enttäuscht sein", erklärte die Behördenchefin Marianne Birthler. "Der wirkliche Wert der Dateien wird sich in der zeitgeschichtlichen Forschung erschließen."

Die "Rosenholz"-Dateien sind eine mikroverfilmte Datensammlung der für die Auslandsspionage zuständigen "Hauptverwaltung Aufklärung" (HVA) der DDR-Staatssicherheit. Nach der Wende 1989 gelangte sie auf ungeklärten Wegen in die Hände des US-Geheimdienstes CIA. Erst 2003 gaben die USA das Material für die Berliner Stasi-Unterlagenbehörde endgültig frei, die deutsche Justiz hatte schon früher einen teilweisen Zugriff. Der Forschungsbericht beschäftigt sich nach Birthlers Angaben mit Umfang und Aussagekraft der überlieferten Quellen der HVA und stellt Informationen zur Geschichte von "Rosenholz" zusammen.

Stasi-Unterlagen über 49 Bundestagsabgeordnete

Im Vorgriff auf den Forschungsbericht hatte die Behörde bereits vor Monaten nach und nach Stasi-Unterlagen über 49 Bundestagsabgeordnete der Jahre 1968 bis 1972 herausgegeben, die in den "Rosenholz"-Dateien vermerkt und fast alle von der DDR-Staatssicherheit "abgeschöpft" worden waren. Zu ihnen gehörten etwa die SPD-Politiker Willy Brandt und Herbert Wehner sowie der einstige CSU-Chef Franz Josef Strauß und der damalige FDP-Vorsitzende Erich Mende. Von fünf Parlamentariern dieser Ära war bereits früher bekannt gewesen, dass sie im Dienst des DDR-Spionageapparats standen.

Mit der Herausgabe von Unterlagen hatte Birthler auf Vorwürfe reagiert, sie würde den fertigen Forschungsbericht wegen politischer Brisanz zurückhalten. Sie hatte dies damals zurückgewiesen und eine Veröffentlichung der Studie 2007 angekündigt - nach gründlicher Überarbeitung. "Der nun vorliegende Bericht ist ein wertvolles Instrument für die Erforschung von Strukturen und Arbeitsmethoden der DDR-Auslandsspionage und ermöglicht neue Detailkenntnisse" erklärte Birthler jetzt. Sie kündigte zugleich eine Veröffentlichung weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen zur Westarbeit des Ministeriums für Staatssicherheit an.

293.000 Karteikarten

Den größten Teil der "Rosenholz"-Dateien machen rund 293.000 Karteikarten aus der Personenkartei ("F 16") der HVA aus. Darin wurden laut Birthler-Behörde nicht nur Inoffizielle Mitarbeiter (IM) verzeichnet, sondern auch Personen aus deren Umfeld und Menschen, für die sich die Stasi aus unterschiedlichen Gründen interessierte. Den zweiten Teil bilden rund 57.000 Vorgangs-Karteikarten ("F 22"). Sie enthalten Daten zur Art der Vorgangs sowie die Registriernummer, mit der sich die Verbindung zu den Karteikarten der "F 16"-Klarnamen-Kartei herstellen lässt.

Der dritte Teil der "Rosenholz"-Dateien besteht den Angaben zufolge aus rund 1700 Statistikbögen mit Angaben zu jeweils einem IM oder einer Kontaktperson der Stasi, etwa den Decknamen und das Motiv zur geheimdienstlichen Tätigkeit. Über die Registriernummern, die auch auf den Statistikbögen stehen, können diese Daten den Karteien "F 16" und "F 22" zugeordnet werden. (mit dpa)

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