Birthler-Behörde : Stasi-Forscher in Bedrängnis

Ärger im Hause Birthler: Trotz ausdrücklichen Verbots hat ein Historiker der Stasi-Unterlagenbehörde an einer umstrittenen Konferenz mit ehemaligen Offizieren der DDR-Staatssicherheit teilgenommen - jetzt drohen ihm Konsequenzen.

BerlinNach der Konferenz mit Ex-Stasi-Offizieren im dänischen Odense muss ein Historiker der Berliner Birthler-Behörde mit beruflichen Folgen rechnen. Dem Wissenschaftler sei die Teilnahme von der Behörde für die Stasi-Unterlagen ausdrücklich untersagt worden, trotzdem habe er an der Konferenz mitgewirkt, sagte heute Behördensprecher Andreas Schulze. "Es wird Konsequenzen geben - welche, wird noch geprüft." Dem Wissenschaftler sei bekannt gewesen, dass sich die Behörde unter Leitung von Marianne Birthler von der Veranstaltung distanziert hatte und nichts damit zu tun haben wollte.

Rund 60 hochrangige Offiziere und einstige Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit hatten am vergangenen Wochenende die Tagung über die Arbeit der DDR-Auslandsspionage zur umfassenden Rechtfertigung ihrer früheren Tätigkeit genutzt. Dabei wurde auch die letzte Hinrichtung in der DDR 1981 gut geheißen, als der Stasi-Offizier Werner Teske wegen Westspionage verurteilt und getötet wurde. Der dänische Historiker Thomas Wegener Friis hatte die früheren Stasi-Größen an der Süddänischen Universität vor allem als "Zeitzeugen" zu Wort kommen lassen wollen, "ehe es zu spät ist".

Auftritt als "Privatperson"

Seinen schriftlichen Beitrag ließ der Berliner Wissenschaftler in Abwesenheit wegen Erkrankung von einem Kollegen vortragen. Dieser verlas zuerst eine "persönliche Erklärung", in der der Historiker betonte, er trete als "Privatperson" auf. Er werde in seinem Beitrag auch keine von ihm dienstlich in der Birthler-Behörde erworbenen Kenntnisse verwenden, sondern lediglich aus der Literatur allgemein zugängliche Fakten, hieß es darin. Der Beitrag wurde später in der dänischen Presse als wichtige und kritische Fragestellung an die Stasi-Geheimdienstler positiv herausgestellt. Birthler-Sprecher Schulze nannte es hingegen ein Problem, dass der Wissenschaftler als Vertreter der Behörde wahrgenommen werde.

Eine erste Konferenz sollte im Juni in Berlin stattfinden, wurde aber nach Protesten und dem Rückzug der Birthler-Behörde abgesagt. Bei der Tagung war der seit langen Jahren in der Birthler-Behörde tätige Historiker ursprünglich auch als Redner vorgesehen. (mit dpa)

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