Politik : Bis zum Letzten

Robert Birnbaum,Markus Feldenkirchen

Michael Spreng ist empört. "Wo leben wir denn?" raunzt Edmund Stoibers Medien-Berater. Anlass für den Ärger ist ein Brief des Vize-Regierungssprechers Bela Anda im Streit um die geplanten Fernsehduelle der beiden Kanzler-Bewerber. Anda, Verhandlungsführer des Amtsinhabers Gerhard Schröder, hat zwei Termine vorgeschlagen: der erste am 2. September - wogegen Spreng nichts hat. Doch das zweite Datum regt ihn auf: Der 20. September, zwei Tage vor der Wahl. "Das geht auf keinen Fall", sagt er. Wenn es bei der nächsten Verhandlungsrunde mit Vertretern der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender am Donnerstag bei Andas Linie bleibe, dass diese Daten "nicht verhandelbar" seien, dann werde das Duell eben nicht stattfinden.

Anda betont, dass der 20. September bereits ein Zugeständnis sei, weil man ursprünglich den Abend vor der Wahl im Visier gehabt habe. Es bleibe dabei: zwei Termine, jeweils am Anfang und am Ende der heißen Phase des Wahlkampfes, auch wenn die konkret vorgeschlagenen Termine "kein Dogma" seien. Und wenn sich die Union nicht darauf einlässt? "Das wäre für uns kein Weltuntergang", sagt Anda, fügt aber hinzu: "Wir wollen das Duell."

Es ist klar, dass die Schröder-Leute ein größeres Interesse am TV-Duell haben. Sie glauben an die Fähigkeiten ihres Chefs, sich vor laufender Kamera geschickter zu präsentiere. "Wir sehen in dieser Auseinandersetzung eine große Chance", sagt SPD-Bundesgeschäftsführer Machnig. Das ist der eigentliche Grund. Aber Machnig weiß noch andere, höchst demokratietheoretische Argumente für das TV-Duell. Es werde mit Sicherheit die Wahlbeteiligung erhöhen und sei deshalb ein "hochdemokratischer Akt", ein "Beitrag zur politischen Kultur der Bundesrepublik".

Schön und gut, aber bitte nicht zwei Tage vor der Wahl, kontert Spreng und hat dafür ein Bündel Argumente parat, angefangen bei Terminnot wegen der am gleichen Tag geplanten Schlusskundgebungen. Und nicht, dass er Schröder irgendetwas unterstellen wolle: aber man stelle sich vor, der Kanzler zöge vor Millionen TV-Zuschauern einen Brief aus der Tasche, in dem davon die Rede sei, dass der notorische Partei-Schwarzspender Karlheinz Schreiber 500 000 Mark für Stoiber auf einem Schweizer Nummernkonto hinterlegt habe. Ein "fiktives Beispiel", doch die Gefahr bestehe immer, dass in einer solchen Runde falsche Anschuldigungen zur Sprache kämen. Und zwei Tage bis zur Wahl seien nun mal zu kurz, um so etwas wieder richtigzurücken. Machnig hat Verständnis, sagt er. Spreng brauche eben in der Regel drei Wochen, um zu erklären, was der Herr Stoiber eigentlich genau sagen wollte. Sollte die umstrittene Terminfrage am Donnerstag wider Erwarten geklärt werden, steht das nächste Problem an: Wer moderiert? Im Vorfeld wurden unterschiedliche Wünsche kolportiert. Bei Machnig klingt das etwas weniger kompliziert als Stoibers Leuten. Er will nur einen Kandidaten ausschließen: Siegmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. "Da könnten wir gleich die bayerische Staatskanzlei zum Moderatoren machen".

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