Politik : Bis zum Umfallen

Drogenbeauftragte ist besorgt über trinkende Jugendliche – allerdings greifen immer weniger zur Kippe

Cordula Eubel
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Alkohol ohne Limit. Auch wenn die Zahlen sinken – jeder fünfte Jugendliche in Deutschland macht nach eigenen Angaben regelmäßig...

Berlin - Jeder fünfte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren macht einmal im Monat beim „Komasaufen“ mit und trinkt fünf oder mehr Gläser Alkohol. Im Vergleich zu 2004 sei der Anteil zwar leicht von 23 auf 20 Prozent zurückgegangen, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, bei der Vorstellung einer Erhebung über die Drogenaffinität Jugendlicher. Dies sei jedoch kein Grund zur „Entwarnung“.

Während heute deutlich weniger Jugendliche zur Zigarette greifen als noch vor vier Jahren, bleibt Alkohol das am weitesten verbreitete Suchtmittel. In der repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gab jeder sechste Jugendliche (17,4 Prozent) an, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu trinken. „Der Trend zum exzessiven Trinken ist ungebrochen“, sagt die Chefin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott, die für ihre seit 30 Jahren stattfindende Erhebung 3000 Jugendliche befragen ließ.

Hochgerechnet sind es etwa eine Million Jugendliche, die in den vergangenen vier Wochen das sogenannte „Binge- Trinken“ praktiziert haben – also fünf oder mehr Gläser Alkohol zu sich genommen haben. Rund 300 000 Jugendliche betrinken sich laut der Studie einmal pro Woche in diesem Ausmaß. Besonders gefährdet seien Jungen zwischen 16 und 17 Jahren, sagte Direktorin Pott. Bei Hauptschülern sei die Quote 2,7-fach höher als bei Gymnasiasten. Der Unterschied zwischen sozialer Schicht und Alkoholkonsum sei aber nicht so deutlich ausgeprägt wie beim Rauchen. In der Befragung gaben die Jugendlichen an, sich durch das Trinken „cooler“, „entspannter“ und „erotisch attraktiver“ zu fühlen. Außerdem würden sie Alkohol konsumieren, „weil alle es tun“.

Am häufigsten greifen die Jugendlichen zu Bier, an zweiter Stelle stehen selbst gemixte Cocktails. In die Nische gedrängt wurden in den letzten Jahren die sogenannten Alkopops – fertige spirituosenhaltige Mixgetränke. So trank 2008 nur jeder zehnte Jugendliche (9,8 Prozent) einmal im Monat Alkopops, während es 2004 – vor der Einführung der Sondersteuer – noch jeder vierte Jugendliche (28,4 Prozent) war.

Die Chefin der Bundeszentrale wies darauf hin, dass es beim „Binge-Trinken“ in den vergangenen Jahren Schwankungen gegeben habe, so dass derzeit nicht von einem rückläufigen Trend gesprochen werden könne. Daher sei Prävention notwendig, um Jugendliche vor akuten und dauerhaften Gesundheitsschäden zu bewahren. Sie appellierte dabei an die Eltern, die Gefahren des regelmäßigen Alkoholkonsums nicht zu unterschätzen. Schon für Erwachsene sei der Verzehr von mehr als zwei Gläsern Bier am Tag gefährlich für die Gesundheit. Bätzing kündigte für nächstes Jahr ein „Nationales Aktionsprogramm Alkohol“ an.

Deutlich positiver beurteilte die Drogenbeauftragte den Rückgang des Zigarettenkonsums. So waren 2008 nur noch 15,4 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren Raucher – der niedrigste Stand seit 1979. Verglichen mit 2001 hat sich die Raucherquote bei Mädchen und Jungen halbiert. Auch der Anteil der Jugendlichen, die noch nie in ihrem Leben zur Zigarette gegriffen haben, steigt kontinuierlich und lag 2008 bei 60,6 Prozent. Für den Rückgang beim Tabakkonsum in den vergangenen Jahren machte Bätzing neben präventiven Programmen auch die Erhöhung der Tabaksteuer und die Rauchverbote in Schulen und in Teilen der Gastronomie verantwortlich.

Auch der Cannabiskonsum bei Jugendlichen ist leicht rückläufig. So sank der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig zu diesem Rauschmittel griffen, von drei Prozent im Jahr 2004 auf 2,3 Prozent 2008. Auch die Zahl der Jugendlichen, die mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis probiert haben, war leicht rückläufig: 2004 waren es 31 Prozent der Jugendlichen, in diesem Jahr nur noch 28,3 Prozent. Mit leichter Besorgnis beobachtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass sich das Rauchen von Wasserpfeifen („Shishas“) bei Jugendlichen „zu einer ernst zu nehmenden Variante des Tabakkonsums entwickeln könnte“. So sind die Shishas, die erst seit 2007 in der Befragung berücksichtigt werden, einem Großteil der Jugendlichen bekannt. Knapp 40 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal in ihrem Leben eine Wasserpfeife geraucht zu haben. Einmal im Monat greifen 12,2 Prozent zur Shisha.

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