Politik : Bis zur Spaltung

Stephan Israel

Der lachende Dritte könnte Sali Berisha heißen: Albaniens Oppositionschef wittert nach dem erbitterten Machtkampf innerhalb der sozialistischen Regierungspartei die Chance auf ein Comeback. Die Protagonisten in der Schlammschlacht sind Parteichef Fatos Nano und der 32-jährige Ilir Meta, der vergangene Woche resigniert vom Posten als Premierminister zurückgetreten ist. Nano hatte "seinen" Regierungschef über Monate mit Korruptionsvorwürfen mürbe gemacht.

Die Vorwürfe sind nicht ganz unbegründet. Immerhin mussten vier Minister der Meta-Regierung bereits den Hut nehmen. Allerdings war bisher noch jede albanische Regierung mit ähnlichen Anschuldigungen konfrontiert. Nano selbst musste Anfang der 90er Jahre nach einem zwar umstrittenen Korruptionsprozess ins Gefängnis. Im Hintergrund geht es ohnehin nur um Machtfragen: Der Politikveteran Nano hat nach dem Sieg der Sozialisten bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr Anspruch auf das Amt des Staatsoberhauptes erhoben. Die jüngere Garde um Ilir Meta hat dem Parteichef diesen Wunsch abgeschlagen.

Nano hat mit seinem populistischen Rachefeldzug an der Parteibasis punkten können, doch eine Mehrheit der sozialistischen Funktionäre und Abgeordneten steht noch immer hinter dem gestürzte Premier Meta. Die beiden Parteiflügel werden sich in den kommenden Tagen auf einen Nachfolger für Ilir Meta einigen müssen. Für Nano ist die Zustimmung nach wie vor mit der Unterstützung seiner Wahl zum Präsidenten gekoppelt. Eine Einigung ist nicht in Sicht, weshalb Beobachter in Tirana eine Spaltung der Postkommunisten und vorgezogene Neuwahlen für möglich halten.

Zuletzt hatte die Regierung von Ilir Meta für ihre Reformpolitik vor allem im Ausland gute Noten bekommen. In der Tat verbesserte sich in Albanien die Sicherheitslage, Straßen wurden nach einem Jahrzehnt des Niedergangs saniert. Der Machtkampf in der Regierungspartei dürfte die Reformen wieder zum Stillstand bringen.

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