Politik : Bis zur Wahl auf Abstand

In Thüringen betonen die Parteien Eigenständigkeit

Matthias Meisner

Berlin - Vor allem Nichtthüringer werben kurz vor dem Wahlsonntag für die aus ihrer Sicht faszinierendste Variante. Schwarz-Grün in Erfurt wäre für ihn ein „sehr interessantes Signal“, sagt Sachsens früherer Regierungschef Kurt Biedenkopf (CDU) der „Bild“-Zeitung. „Es würde die Barriere zwischen beiden Parteien nachhaltig relativieren.“ Grünen- Vordenker Ralf Fücks, Chef der Heinrich-Böll-Stiftung, meint in der „Welt“: Sollte es sich am Sonntag rechnerisch ergeben, „gehe ich davon aus, dass Grüne und Union ernsthafte Koalitionsgespräche führen“. Und der ehemalige Grünen- Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger rät Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt gar, für den Fall einer Koalition nach Erfurt zu wechseln.

Doch bei der CDU wie bei den Grünen zweifeln die Parteistrategen in Berlin, ob ihnen diese Debatte nutzt. Die absolute Mehrheit von CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus könnte kippen, wenn die Grünen ins Parlament einziehen; letzte Umfragen sahen diese knapp unter fünf Prozent. Althaus weist Biedenkopfs Vorstoß als „überflüssigen Rat“ zurück. Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer spricht unter Hinweis auf Metzger sogar von „höchst unmaßgeblichen Einmischungen“. Auch die Akteure beider Parteien in Erfurt dementieren. Sie sehe „keine inhaltliche Schnittmenge mit der CDU“, sagt Grünen-Spitzenkandidatin Astrid Rothe. Althaus argumentiert im ZDF ähnlich: „Es gibt große Abstände zu den Grünen, und wir wollen deshalb auch die klare Mehrheit der Union erhalten.“

Verliert Althaus die absolute Mehrheit und Schwarz-Grün kommt nicht, gilt als wahrscheinlichste Variante eine große Koalition. SPD-Landeschef Christoph Matschie betont, mit der PDS werde sich die SPD nicht einlassen. Ein Bündnis mit der CDU nennt er eine „vernünftige Zweckgemeinschaft“, die er sich vorstellen könne.

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