Politik : Bischöfe wollen in Leitlinien stärker auf Opfer eingehen

Berlin - Die katholische Kirche beansprucht keinen eigenen Rechtsraum neben den staatlichen Gesetzen. Das hat der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz bei seinem Treffen am Montag in Würzburg betont. Nach Auskunft einer Sprecherin der Bischofskonferenz soll dies auch deutlich in der neuen Version der „Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche“ zum Ausdruck kommen, über die der Ständige Rat am Montag erstmals diskutiert hat.

Die überarbeitete Fassung der Leitlinien soll Ende Juni verabschiedet werden. Bis dahin will die Kirche auch den Rat kirchlicher und externer Experten hinzuziehen. In der neuen Version will man die Zusammenarbeit zwischen der Kirche und den staatlichen Behörden bei der Untersuchung von sexuellen Vergehen präziser fassen als dies in der alten Form von 2002 der Fall war. Dort heißt es, dass zunächst das betroffene Bistum und dann der Heilige Stuhl einen Verdachtsfall untersucht. Erst danach, nur „in erwiesenen Fällen“ und nur, wenn das Vergehen nicht verjährt ist, wird dem Täter zur Selbstanzeige geraten und „je nach Sachlage die Staatsanwaltschaft informiert“. Die bayerische Bischofskonferenz hatte im März entschieden, künftig bereits bei einem Anfangsverdacht die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Bischof Stephan Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, und Erzbischof Robert Zollitsch, der Konferenzvorsitzende, sehen dies aber skeptisch.

Bischof Ackermann hat dem Ständigen Rat am Montag einen Entwurf für die neuen Leitlinien vorgelegt. Darin wird auch auf die Opferperspektive hingewiesen. Sie soll künftig stärker im Vordergrund stehen. Der Ständige Rat ist das oberste Entscheidungsgremium der Bischofskonferenz. Ihm gehören alle 27 deutschen Ortsbischöfe an. Der Augsburger Bischof Walter Mixa wurde am Montag von Weihbischof Anton Losinger vertreten. Mixa hatte am Mittwoch wegen Prügel- und Untreuevorwürfen sein Rücktrittsgesuch beim Papst eingereicht. clk

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