Politik : Bischof Huber: Schluss mit Selbstquälerei

Der Berliner ist neuer Ratsvorsitzender der EKD / Für einen selbstbewussten Protestantismus

Claudia von Salzen

Trier. Wolfgang Huber, Bischof von Berlin-Brandenburg, vertritt künftig die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nach außen. Synode und Kirchenkonferenz der EKD wählten ihn am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit zum neuen Ratsvorsitzenden. Huber erhielt 121 von 135 Stimmen, sechs Delegierte stimmten gegen ihn. Der 61-Jährige übernimmt damit das wichtigste Amt bei den deutschen Protestanten. Der thüringische Landesbischof Christoph Kähler wurde zu seinem Stellvertreter gewählt.

Nach der Wahl sprach sich Huber dafür aus, dass sich die Kirche künftig öffentlich stärker zu Wort meldet: „Ich stehe für eine Kirche, die die Reibungsflächen mit der Gesellschaft annimmt, und dem Wind, der in der öffentlichen Debatte weht, nicht ausweicht.“ Auch zu politischen Themen will Huber weiterhin Stellung nehmen: „Die Kirche ist kein politischer Akteur unter anderen, sondern sie ist um Gottes willen für die Menschen da“, sagte der Bischof. Sie mische sich ein, wenn es notwendig sei. Im Streit um die Sozialreformen forderte Huber, die Auswirkungen auf die Schwächsten nicht aus den Augen zu verlieren. Zugleich kritisierte er die Vermittlung der Reformen: „Wir haben hier ein großes Kommunikationsproblem.“ Die notwendigen Veränderungen müssten für die Menschen transparent und nachvollziehbar sein. An der Debatte über die Bioethik will sich Huber ebenfalls weiter beteiligen. Allerdings kündigte der Theologe und Sozialethiker seinen Rückzug aus dem Nationalen Ethikrat an, dem er seit mehr als zwei Jahren angehört: Ethikrat und Ratsvorsitz seien zeitlich nicht vereinbar.

Huber ermahnte die Kirche, künftig mehr auf ihre Stärken zu achten. „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass der Protestantismus nicht nur selbstquälerisch an sich selber leidet.“ Das Miteinander müsse besser funktionieren. Kähler will sich vor allem der anstehenden Strukturreform der EKD widmen. Hier könne er die Erfahrungen aus Ostdeutschland mit einbringen, sagte Kähler.

Bereits vor sechs Jahren hatte Huber gute Chancen auf den Ratsvorsitz gehabt, unterlag bei der Wahl aber dem rheinischen Präses Manfred Kock. Synode und Kirchenkonferenz der EKD hatten am Dienstag in einem äußerst mühsamen Abstimmungsprozess einen neuen Rat gewählt. Erst nach zehn Wahlgängen stand das neue Leitungsgremium der EKD fest. Dem Rat gehören nun sechs leitende Geistliche und neun Laien an.

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