Bischof Markus Dröge : „Armut wird ein großes Problem“

23.12.2012 20:38 Uhrvon
Markus Dröge Foto: Mike Wollf
Markus Dröge - Foto: Mike Wollf

Bischof Dröge fordert mehr Ehrlichkeit in der Armuts-Debatte und warnte vor den Folgen der veränderten Arbeitswelt. Bundespräsident Joachim Gauck blickt optimistischer in die Zukunft.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, hat davor gewarnt, das Armutsrisiko in Deutschland zu unterschätzen. „Wir beobachten ein stärkeres Auseinanderfallen von Arm und Reich, und das lässt sich auch belegen“, sagte der Bischof dem Tagesspiegel. Er sei der Armutskonferenz dankbar, die in ihrem kritischen Gegengewicht zum Armutsbericht der Bundesregierung darauf hinweise, dass sich die Armut verfestige. „Wir dürfen die Augen davor nicht verschließen.

Im Hinblick auf die sich ändernde Bevölkerungspyramide und darauf, wie sich die Arbeitsverhältnisse junger Leute entwickeln, muss man sagen, dass Armut ein großes Problem werden wird. Wir müssen in der Gesellschaft so offen und ehrlich sein, das nicht zu verdrängen“, sagte Dröge.

Bundespräsident Joachim Gauck rief die Menschen zu Mut und Zivilcourage auf. „Deutschland hat die Krise bisher gut gemeistert“, sagte er in seiner ersten Weihnachtsansprache. Verglichen mit anderen Europäern gehe es den meisten Bürgern hierzulande „wirtschaftlich gut, ja sogar sehr gut“. Zudem hätten radikale Parteien nicht davon profitieren können, dass auch in Deutschland ein Teil der Menschen verunsichert sei. Gauck sagte laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript in der Ansprache, die am ersten Weihnachtstag ausgestrahlt wird: „Sie sind verunsichert angesichts eines Lebens, das schneller, unübersichtlicher, instabiler geworden ist. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, der Klimawandel erfordert ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft.“

Um dem entgegenzuwirken, seien tatkräftige Politiker und engagierte Bürger nötig. Er habe bei seinen Begegnungen in den vergangenen Monaten erfahren, dass es viel mehr Menschen gebe, die Gegenwart und Zukunft zum Besseren gestalten wollten, als Gleichgültige, sagte Gauck. (mit dpa)

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