Politik : Bischof Mixa: Leyen ideologisiert das Kinderthema

„Ich trete für eine echte Wahlfreiheit ein“ SPD-Vize Dieckmann: Die Männer einbeziehen

Claudia Keller,Christian Tretbar

Der Augsburger Bischof Walter Mixa verteidigt seine Position zum Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Debatte zu ideologisieren. „Frau von der Leyen ideologisiert die Diskussion, weil sie einseitig auf den Ausbau der Fremdbetreuung setzt“, sagt er dem Tagesspiegel. Das entspreche nicht den Wünschen der meisten Familien. „Ich trete wie viele meiner Bischofskollegen für eine echte Wahlfreiheit ein, die es zum Beispiel durch ein Erziehungsgeld der ersten drei Jahren auch alleinerziehenden und finanziell schlechter gestellten Müttern erlaubt, zwischen der Erziehung ihrer Kinder und einer externen Erwerbstätigkeit zu wählen. Die Aussage, 70-80 Prozent der Frauen würden in die Berufstätigkeit gezwungen habe er so nicht gesagt. „Ich habe vielmehr kritisiert, dass die Familienexperten der Großen Koalition eine 70-80 prozentige Erwerbstätigkeit von Frauen anstreben. Das macht die erwerbstätige Mutter zum ideologischen Programm.“ In unserer Gesellschaft müsse man die Arbeit von Müttern und Hausfrauen viel stärker anerkennen. „Wenn ich sage Hausfrau so bedeutet dies natürlich, dass auch Hausfrauen und selbsterziehende Mütter über eine akademische Ausbildung verfügen können.“

Kritik an den Äußerungen des Bischofs gibt es aus den Reihen der Opposition und den Regierungsfraktionen. Als „Unsinn“ bezeichnet FDP-Generalsekretär Dirk Niebel die Aussagen Mixas. „Niemand wird in die Berufstätigkeit gezwungen, aber es muss darum gehen, dass beides möglich ist: Arbeiten zu gehen oder Zuhause zu bleiben“, sagt er dem Tagesspiegel. Petra Pau von der Linkspartei kritisiert vor allem Mixas Ansichten zur Kindererziehung in der ehemaligen DDR. „Der Anspruch, Betreuung und frühkindliche Bildung unter einen Hut zu bekommen, wurde in der DDR nicht optimal umgesetzt, aber das ist kein Grund das ganze System zu denunzieren.“ Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Bärbel Dieckmann übt ebenfalls Kritik an Mixa: „Seine Äußerungen zeigen wie weit er von den Lebensrealitäten der Familien entfernt ist.“ Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Arnold will sogar die Absetzung Mixas als Militärbischof: „Wenn in den nächsten Jahren der Anteil der Frauen in der Bundeswehr signifikant steigen wird, da kann es nicht sein, dass der oberste Militärseelsorger diejenigen in der Truppe, die das Engagement für Beruf und Familie vereinbaren wollen, an den Pranger stellt.“ Für besonders viel Diskussion sorgt die Konzentration auf die Rolle der Frau in der Kinderbetreuung. „Auch Männer können erziehen“, sagt Dieckmann dem Tagesspiegel.

Unterstützung erhält der Bischof von Elisabeth Jünemann. Die Professorin für katholische Sozialethik an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen kritisiert die Einseitigkeit der Diskussion: „Mütter und Väter, die sich dafür entscheiden, selber ihre Kinder zu erziehen und auch auf den Beruf zu verzichten, werden nicht gerecht behandelt.“ Das Elterngeld sei keine Belohnung für die Arbeit, sondern nur eine Lohnersatzleistung. Auch der Allgemeine Deutsche Väterbund spricht sich dafür aus, die Rolle der Eltern in der Erziehung stärker zu betonen. „Sie sind die besseren Bezugspersonen“, sagt Karsten Müller, Vorsitzender des Väterbundes.

- Seiten 2, 4 und Meinungsseite

0 Kommentare

Neuester Kommentar