Bischof Williamson : Was sagt die Jugend zum Papst-Streit?

Die katholische Jugend hat Papst Benedikt XVI. auf dem Weltjugendtag zugejubelt. Jetzt steht er schwer in der Kritik. Was denken die gläubigen Jugendlichen heute über ihre Kirche?

Bianca Blei

Beim Weltjugendtag in Köln 2005 wurde Papst Benedikt XVI. als große kirchliche Hoffnung der katholischen Jugendlichen gefeiert. Endlich sollte Erneuerung Einzug im Vatikan halten. Was als große Erwartung begann, mündet nun nach den jüngsten Ereignissen um die Rücknahme der Exkommunikation von Holocaust-Leugner Bischof Williamson immer mehr in Ernüchterung.

Viele katholische Jugendverbände können der Entscheidung des Papstes nichts abgewinnen und kritisieren sie auch offen. "Wir sind erschüttert über die Entwicklungen im Vatikan. Die Kirche geht eindeutig in die falsche Richtung", macht die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) ihrem Ärger Luft. Mit dieser Ansicht steht sie nicht allein da. So lässt der Dachverband der katholischen Jugendvereinigungen, der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), per Pressemitteilung wissen, dass für die meisten Jugendlichen "die Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners völlig unverständlich" sei. "Die Entscheidung, Erzkonservative zurück in die Kirche zu holen, ist schlichtweg falsch", sagt Alexandra Schmitz, Bundesleiterin der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) dem Tagesspiegel. "Das hemmt den erwarteten Fortschritt der katholischen Kirche massiv. Wenn die Sache aber irgendeinen positiven Aspekt hat, dann zumindest die Tatsache, dass die Kirche zur Selbstreflexion übergeht und die verschiedensten Verbände sich konstruktiv und kritisch zu Wort melden und die Ereignisse untereinander diskutieren", zeigt sich Schmitz durchaus optimistisch. Die Aufforderung des Papstes an Williamson, seine Holocaust-Leugnung öffentlich zurückzunehmen, ist für Schmitz "ein erster Schritt". Sie denke aber nicht, "dass Williamson deshalb seine Überzeugung ändern wird" - und darin sieht sie weiterhin ein Problem.

Die Hoffnungen vieler junger Katholiken wurden enttäuscht

Der BDKJ befürchtet einen Imageschaden vor allem auch für die "Kirche in Deutschland und somit auch für die katholische Jugendarbeit". Erst vor kurzem hatte sich Papst Benedikt XVI. den jungen Katholiken stärker zugewandt. Er kommuniziert jetzt mit ihnen über zeitgemäße Kanäle wie SMS oder das Internetportal Youtube. Er schickt Videobotschaften in die ganze Welt und sendet täglich per Handy seine päpstlichen Ratschläge auf die Displays der Gläubigen. Nun aber stößt er gerade seine jugendlichen Anhänger vor den Kopf.

Die Hoffnungen, die viele junge Katholiken seit Amtsantritt des neuen Pontifex in Benedikt XVI. gesetzt haben, wurden enttäuscht. "Es ist für viele Mitglieder der Jugendverbände schwer, sich derzeit in der Kirche wohl und geborgen zu fühlen", sagt Wolfgang Ehrenlechner von der Katholischen Landjugendbewegung. Er bedauert auch, dass der Papst in dieser Situation den Dialog mit den Jugendlichen vermissen lässt, den er auf den jüngsten Weltjugendtagen in Köln 2005 und Sydney 2008 immer wieder gefordert habe.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine stärkere Position des Vatikans gegenüber dem Holocaust-Leugner Williamson und ein klares Statement für das Judentum gefordert hatte, stößt bei den Jugendverbänden auf Zustimmung. "Merkel hat die richtigen Worte gegenüber dem Papst gefunden", sagt Alexandra Schmitz vom KJG. Auch die Katholische Landjugendbewegung fordert vom Papst nun eindeutige Maßnahmen: "Wir wollen, dass Benedikt seinen Fehler öffentlich eingesteht und sich entschuldigt. Es sollte ein klares Bekenntnis zu wichtigen Reformen in der katholischen Kirche folgen, denn nur so können sich die Jugendlichen dem Papst wieder annähern."

Wenn der Papst kein Vorbild ist, bleiben die Grundpfeiler der Kirche

Nicht nur unter den jungen Katholiken werden die umstrittenen Vorgänge im Vatikan diskutiert, sondern auch in vielen Internetforen ist vor allem die Aufforderung von Angela Merkel ein großes Thema. So versetzen sich viele User in Merkels Situation und geben Ratschläge unter dem Motto "Wenn ich Kanzlerin wäre …". An Merkels Stelle hätte sie "spätestens am Donnerstag letzter Woche (…) meinen Brief beim Papst vorliegen gehabt und meinen Emissär in Rom stehen gehabt", schreibt eine Nutzerin im Online-Forum der "Zeit". Ein anderer Nutzer stellt sich ganz hinter die Kanzlerin und spricht von "legitimer Einmischung". In einer Diskussion auf der Homepage der CDU fordert dagegen ein Nutzer eine andere Vorgehensweise der Kanzlerin: "Damit tut sie sich und unserem Staat keinen guten Dienst." Der Tenor auf der Parteiwebsite ist aber pro Angela Merkel.

Die Katholische Junge Gemeinde lässt sich durch den Vorfall "nicht irritieren". Für sie gälten die Grundsätze der Bibel und des Glaubens. "Vor allem dann, wenn - wie aktuell - der Papst keinerlei Vorbildfunktion für die Jugendlichen hat, müssen wir uns auf die Grundpfeiler der Kirche besinnen", heißt es bei der KJG. Beseitigen lasse sich das Problem nur, indem der Papst "aktiv in den Dialog mit den Jugendlichen eintritt, da die Jugend die Zukunft der katholischen Kirche darstellt", fordert Schmitz. "Er muss wieder vermehrt auf die Anliegen der jungen Christen hören und sie sich auch wirklich zu Herzen nehmen."

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