• „Bitterer Beigeschmack der Freiheit“ Unicef-Botschafterin Christiansen warnt vor Cholera-Epidemie im Irak

Politik : „Bitterer Beigeschmack der Freiheit“ Unicef-Botschafterin Christiansen warnt vor Cholera-Epidemie im Irak

Frauke Herweg

Berlin. Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen warnt vor einer Cholera-Epidemie im Irak. In den vergangenen Tagen seien allein in der Umgebung von Basra 17 Verdachtsfälle der schweren Durchfallerkrankung aufgetreten, sagte Christiansen am Freitag in Berlin. Nach Unicef-Hochrechnungen könne sich diese Zahl bald verzehnfachen.

Befördert wird der Ausbruch der Krankheit durch die katastrophale Wasserversorgung im Südirak. Plünderer haben das für Basra wichtige Pumpwerk Al Hussein komplett demontiert. „Die Menschen sind so verzweifelt, dass sie überall Wasserleitungen anzapfen“, sagte Christiansen, die am Freitagmorgen von einer dreitägigen Reise durch den Irak zurückkam. Viele müssten jedoch verseuchtes Wasser aus den Flüssen trinken. Rund eine Million Kinder rund um Basra leiden nach Unicef-Angaben unter der Wassernot. „Gerade Kinder unter vier Jahren werden die Durchfallerkrankung nicht überleben können“, befürchtet Christiansen.

Die Tanklastzüge der Unicef bringen täglich 1,5 Millionen Liter Wasser in den Südirak. In den vergangenen Tagen wurden zudem 600 Tonnen Chlorgaspatronen zur Reinigung verschmutzen Wassers ausgeliefert. Dennoch reiche die Hilfe nicht aus, sagte Christiansen. Wegen der zahlreichen Stromausfälle seien zahlreiche Impfstoffe verdorben. Für unterernährte Kinder fehlten spezielle Aufbaulösungen.

„Die Menschen im Irak müssen einen sehr bitteren Beigeschmack der Freiheit erfahren“, sagte Christiansen. „Sie haben sich das Leben nach Saddam Hussein sicherlich ganz anders vorgestellt.“ Nach wie vor müssten irakische Sicherheitskräfte den Plünderungen von Fabriken, Wasserwerken und Schulen meist tatenlos zusehen, weil ihnen Waffen zur Verteidigung der Anlagen fehlten. „In dieses Machtvakuum drohen islamische und fundamentalistische Kräfte zu stoßen“, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Dietrich Garlichs, der Christiansen auf ihrer Reise begleitet hatte. Garlichs will sich neben der Wasserversorgung vor allem für den Wiederaufbau der Schulen einsetzen. „Die Kinder im Irak brauchen möglichst schnell wieder einen festen Halt, einen festen Tagesablauf.

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