Politik : BKA-Chef Ulrich Kersten sieht eine Gefahr in der mangelnden internationalen Zusammenarbeit

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Ulrich Kersten, hat zahlreiche Schwachstellen bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität beklagt. Mafiabanden erstellten regelrechte Marktanalysen und hätten sich neue profitable Tätigkeitsfelder wie die illegale Tiermast, den Subventionsbetrug oder die illegale Beschäftigung erschlossen. Diesen Veränderungen müssten die Strafverfolger "viel größere Aufmerksamkeit widmen", sagte Kersten am Dienstag bei einer Polizeitagung in Garmisch-Partenkirchen. Außerdem müsse die internationale Zusammenarbeit der Polizei dringend verbessert werden. So könnten Beamte aus anderen Ländern in ein ermittlungsführendes Land entsandt werden und aktiv an Vernehmungen, Durchsuchungen und Telefonüberwachungen teilnehmen. Für solche multinationalen Ermittlungsgruppen sei das das im Frühjahr geschlossene deutsch-schweizerische Abkommen ein Vorbild, so Kersten.

Neben der operativen müsse auch die strategische Zusammenarbeit besser werden. Mit traditionellen, täterbezogenen Ermittlungen seien die Strukturen, Waren- und Geldströme der organisierten Kriminalität nicht aufzudecken, erklärte Kersten. Nur ein internationaler Informationsaustausch der Polizei und gemeinsame Lageanalysen ermöglichten erfolgversprechende Ermittlungsansätze. Europol eröffne hier große Möglichkeiten, auch für die Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Staaten. Allerdings dürften vertrauliche Informationen nicht in falsche Hände geraten, "sonst wird die Bereitschaft zum Austausch gegen null sinken", warnte der BKA-Chef auf der Tagung des George-Marshall-Centers, an der bis Donnerstag hochrangige Polizisten aus 21 Staaten teilnehmen.

In Deutschland hatte die Polizei im vergangenen Jahr gegen 8500 Tatverdächtige aus 90 Staaten im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität ermittelt. Ihnen wurden 45 000 Einzelstraftaten zur Last gelegt. Der Rauschgifthandel sei mit Gewinnspannen von 800 Prozent weiter eines der lukrativsten Betätigungsfelder, sagte Kersten. Weltweit würden jährlich etwa 330 Tonnen Heroin erzeugt, nur elf Tonnen hätten die Sicherheitsbehörden weltweit sicherstellen können.

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