Politik : BKA ermittelt in Indonesien gegen Terroristen

Deutsche Polizei richtet ständiges Büro in Jakarta ein

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Von Moritz Kleine-Brockhoff,

Jakarta

Das Bundeskriminalamt (BKA) will einen Mitarbeiter permanent nach Indonesien schicken. „Der Bali-Anschlag und das, was sich im Zuge der Ermittlungen ergeben hat, sind ein Grund für die Maßnahme", sagte BKA-Direktor Manfred Klink dem Tagesspiegel in Jakarta. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Klink sagte nur, „dass diejenigen, die sich intensiv mit Jemaah Islamiyah und ähnlichen Gruppen beschäftigen, der Meinung sind, dass es sinnvoll sei, die Kooperation mit indonesischen Behörden zu verstärken." Die deutsche Bundesregierung müsse der Entsendung noch zustimmen, das BKA erwarte aber keine Hindernisse. Bislang hat das BKA zwei permanente Vertreter in Südostasien, sie arbeiten von Thailands Hauptstadt Bangkok aus. Der neue Mann in Indonesien soll im Herbst seine Arbeit aufnehmen. Internationale Terrorbekämpfung wird ein wichtiges Thema bei der Südostasienreise von Bundeskanzler Gerhard Schröder sein, er besucht in diesem Monat Malaysia, Singapur, Indonesien und Vietnam.

Teil einer verstärkten internationalen Polizei-Kooperation ist die in Deutschland geplante Schulung von indonesischen Beamten. Nach zehn Jahren Unterbrechung will das BKA ein Weiterbildungsprogramm wieder aufnehmen, das lange Tradition hat. In den 80er und 90er Jahren waren 105 indonesische Beamte in Deutschland geschult worden. Im vergangenen Oktober waren auf der indonesischen Urlaubsinsel Bali bei einem Terroranschlag 202 Menschen getötet worden, darunter auch sechs Deutsche Touristen. Jemaah Islamiyah , eine südostasiatische Terrorgruppe, soll die Bali-Bomben gelegt haben. Ihr werden Verbindungen zum Al-Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden nachgesagt. Drei Wochen vor dem Bali-Anschlag war in Jakarta ein deutscher Staatsbürger festgenommen worden, dessen Name in einem US-Verhör von einem Al-Qaida-Aktivisten genannt worden war. Ermittler sind davon überzeugt, dass der Deutsche ebenfalls Al-Qaida-Terrorist ist. Reda Seyam, ein gebürtiger Ägypter, sitzt in Jakarta wegen Visavergehen im Gefängnis, er soll im Juli entlassen werden. Gegen Seyam läuft beim Generalbundesanwaltes in Karlsruhe ein Ermittlungsverfahren, „wegen des Verdachts der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung".

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